Kinderabgabe in Rekordzeit, ich konnte inklusive Porridge zubereiten bereits 8:15 Uhr mit der Arbeit anfangen. Gute Sache!
Ich bin unfassbar schlecht darin, Sachen zu lernen. Das Problem sind nicht die Sachen, sondern das Lernen an sich (und vermutlich ein paar meiner Charakterzüge). Ich _mache_ gern neue Dinge und fuchse mich super gern Stückchen für Stückchen in interessante Themen rein wenn sie dann anfallen (und nicht erschlagend wirken)– aber systematisch hinsetzen und lernen für etwas, das nicht sofort relevant ist? Am besten noch allein und in Eigenregie? Nee, geh mir weg.
Dazu kommt, dass mein innerer Schweinehund sehr, sehr groß und eklig ist und ich teilweise wirklich unfassbar k.o. bin, wenn ich denn dann mal Zeit hätte. Was dann aber auch wieder nur halbgare Gründe sind– wenn ich z.B. lange Blogbeiträge schreibe könnte ich mich halt stattdessen auch… weiterbilden.
Weiterhin– es hört nicht auf– habe ich einen aktiven Widerwillen dagegen, „sinnlos“ zu lernen. Z.b. sowas wie „Dann prügelst Du Dir das rein für die Prüfung und vergisst es wieder.“ Ganz furchtbar (ist vielleicht nicht so schlau von mir). Wenn ich schon Zeit investiere möchte ich _verstehen_, Zusammenhänge einprägen und idealerweise damit weiterarbeiten können. Außerdem will ich natürlich _erst_ eine Prüfung über mich ergehen lassen wenn ich ALLES weiß und auch weiß, dass ich die Prüfung bestehen werde (an der Stelle wirds ein bisschen schwierig, das ist mir bewusst).
Leider ist regelmäßiges, aktives Lernen/Weiterbilden aber normalerweise die Vorbedingung für komplexere Sachverhalte, wie z.B. berufliche Zertifizierungen die dann ggf. in anderen Aufgaben und eventuellen Gehaltsanpassungen enden.
Weil ich mich nun in letzter Zeit (so ungefähr ’ne ganze Weile, sprich anderthalb bis zwei Jahre) vermehrt damit beschäftige, wieso ich bin wer ich bin, wie ich bin und wieso mir z.B. sowas schwer fällt, obwohl ich eigentlich einigermaßen k-l-u-k bin, kam ich auf die bahnbrechende Idee doch mal zu recherchieren was es so für Lernstrategien gibt.
Ich weiß z.B., dass es mir relativ wenig bringt, Videos für etwas anderes als einen groben Überblick anzuschauen. Lange Texte sind auch schwierig, da schweife ich ab. Podcasts hören geht auch nur so lala. Also: Alle passiven Lernmethoden bringen mich nicht weiter. Ich muss aktiv etwas machen, am besten händisch– z.B. Aufschreiben und in eigenen Worten wiedergeben, oder anderen erklären was ich aufgenommen habe. Leider bin ich aber auch schlecht darin, wirklich relevante Punkte zu extrahieren und nur kurze Notizen zu machen– weswegen ich z.B. beim Durcharbeiten des Scrum Guides irgendwann an den Punkt kam das ich statt Stichpunkte viele Sätze einfach abschrieb. Das ist natürlich auch unsinnig, denn dabei denke ich nicht und wandel es nicht in eigene Worte um. Noch dazu war das zu zeitintensiv, langweilig und eintönig– ich brach das also ab.
Ein weiteres Problem: Ich bin sehr gut darin, mir unrealistische Ziele zu stellen. Z.B. sowas wie „Ich setze mich jeden Abend 1h hin wenn in der Wohnung alles erledigt ist und lerne“. Totaler Blödsinn. Viel zu lange, falsche Prioritäten, viel zu oft– das ist vielleicht für andere Menschen umsetzbar, aber nicht für mich.
Also hab ich daran gedacht, wie ich es geschafft habe meine Bodyweight-Übungen zu verankern: Ich hab die Trainingspläne genommen und auf mich und meine Situation angepasst. Mein Sport-Ziel ist z.B. „Ich trainiere zwei Mal die Woche entsprechend meines auf meinen physischen Zustand zugeschnittenen Sport-Plan.“ Besagter Sportplan hat Muss-Übungen (für starke Arme und einen starken Rücken) und Kann-Übungen (nicht ganz so wichtige Arm-Übungen, Beine). Je nach aktueller zeitlicher/körperlicher Situation können also Übungen ausfallen/ausgetauscht werden. Und das klappt für mich seit etwas mehr als einem Jahr, trotz Covid-Erkrankung, Weihnachten, Winterdunkelkalt, Rückenschmerzen, Sommerferien, div. Infekte…).
Warum nicht also von mir lernen? Offenbar kann ichs ja.
Ich setzte mich also hin und reflektierte, wie ich quasi nebenbei erfolgreich für o.g. neue Sachen lerne und wie ein sinnvoller persönlicher Lernplan aussehen könnte.
Das Ergebnis ist ein etwas wirres DinA4-Blatt, auf dem drauf steht WIE ich mein Lernziel (… immer noch die Scrum Master Zertifizierung) erreichen möchte und WAS ich dafür tun muss.
Das WIE ist ein Mix aus Karteikarten, einem Miro-Board und Beispielprüfungen. Das WAS ist folgendes Ziel: „Ich lerne 3 Mal die Woche für eine bis zwei Pomodoro-Sessions (also ca. 30 bis 60 Minuten) mit Hilfe meines Lernsystems im Scrum Guide, um bis Ende September das notwendige Wissen für die PSM1-Prüfung verinnerlicht zu haben.“
Schauen wir mal, wie es läuft. Jetzt hab ichs zumindest semi-öffentlich gesagt.
Hätte ich das mal 20 bis 25 Jahre früher gemacht.
Nachmittags waren wir Bratwürste, Brötchen und Eis einkaufen (es ist immer noch sehr warm, Eis muss sein). Nach Rückkehr schmiss ich die Würste auf den Grill und ärgerte mich dann über mich selbst, weil es EWIG dauerte bis die schön durchgebrutzelt waren. Pfanne wäre sinnvoller gewesen. Aber was solls, das Ergebnis zählt: Wir aßen alle begeistert Bratwurst im Brötchen und versicherten uns gegenseitig, dass das eine gute Idee gewesen war.
Im Anschluss Kinder baden, Grill reinigen (auch hier wäre eine Pfanne sinnvoller, weil schneller zu reinigen, gewesen) und die Wohnung aufräumen.
Als dann alles ruhig war, für genau EINE Pomodoro-Session hingesetzt und gelernt– es war ja schon spät.




2 Antworten auf „Mittwoch, 23.08.2023“
Klingt kompliziert, aber trotzdem Respekt! Ich könnte den Fachanwalt dienstlich bezahlt machen – und mache es aus eben diesen Gründen nicht…
Sehr interessant! Schule fiel mir nie schwer; aber als es daran ging, sich im Studium selbständig Dinge zu erarbeiten, war ich aufgeschmissen. Mir ist es bis heute schleierhaft, wie ich es geschafft habe, meine Diplomarbeit fertig zu stellen. Wir haben aber, anders als meine Kinder heute, in der Schule nie „das Lernen gelernt“, also verschiedene Herangehensweisen kennengelernt, sich ein Thema zu erarbeiten.