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Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Vor einiger Zeit sprach ich mit Jott über meine Unzufriedenheit bezüglich adäquaten Sommerschuhwerks für Männer. Im Endeffekt ist alles außer offenen Schuhen- also Sandalen, Flip Flops, Badelatschen- zu warm und zu unluftig. Das Problem ist aber: Flip Flops mag ich nicht, weil mir das kleine Zehenbändchen nicht als Befestigung reicht. Badelatschen bieten schon etwas mehr Halt, sind aber meines Erachtens nach ungeeignet für alle Örtlichkeiten außer Schwimmbad/ Sauna/ sanitäre Anlagen. Bleiben Sandalen, die genug Halt beim Laufen bieten und auch halbwegs erhobenen Hauptes in der Öffentlichkeit getragen werden können (auch wenn dem just heute in der Süddeutschen Zeitung widersprochen wird). Aber: 99% der Herrensandalen sind potthässlich. Ein Blick auf die bei Amazon verfügbaren Sandalen bestätigt das. Ungetüme aus Kunststoff mit Klettverschlüssen, die vielleicht auf Trekking-Touren und ausgedehnten Wanderungen ohne Menschenkontakt ihre Stärken ausspielen können, die ich aber keinesfalls an meine Füße lassen wollte- und durfte. Denn Jott sah die Sache genauso wie ich, was die Hässlichkeit betrifft, und stellte schon kurz nach unserem Kennenlernen vor vielen Jahren klar, dass wir ab dem Zeitpunkt geschiedene Leute wären zu dem ich mir eines dieser besagten Kunststoff-Klettverschluss-Ungetüme zulegen würde. Da dies nicht zu meinen unmittelbaren Zielen gehörte, bat ich sie also nach dem weiter oben erwähnten Gespräch, doch einmal selbst nach Sandalen zu suchen die unsere Beziehung nicht zu sehr belasten würden. Ich selbst hatte lange und erfolglos das Internet abgesucht und begab mich in ihre kundigen Hände.

Ungefähr fünf Minuten später schickte sie mir den Link zu einem Paar Sandalen, das gut aussah, preislich nicht zu teuer und an den entscheidenden Stellen kunststoff- und klettverschlussfrei war.

Nachdem ich bei der ersten Bestellung die falsche Größe ausgewählt hatte (Birkenstock-Schuhe fallen scheinbar SEHR groß aus), kam heute das Paket mit der richtigen Größe an und somit bin ich seit heute Mittag im Besitz von einem ok aussehenden Paar Sandalen, die sich bislang fantastisch laufen.

Und zu allem Überfluss scheint Birkenstock gerade der heiße Scheiß zu sein, was bedeutet dass ich damit wohl halbwegs modisch gekleidet bin. Hurra!

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Journal Freitag, 7.8.2015

Eigentlich wollte ich heute nur ein äußerst putziges Baby-Faultier-Video posten, weil Jott und ich eigentlich bei einer Geburtstagsfeier sein wollten.

Aber wie heißt es so schön: „Wenn du die Götter zum Lachen bringen willst, erzähl ihnen von deinen Plänen.“ Unser Plan wurde vom Wetter sabotiert. Schnuffke ist bei diesen Temperaturen nämlich unabsichtlich (hoffe ich jedenfalls für ihn) ein wenig anstrengend: Er schläft schlecht, trinkt viel, pinkelt ohne Ende (DREI MAL WÄHREND EINER EINZIGEN WICKELSESSION), hat trinkbedingt öfter Bauchschmerzen und will eigentlich nur getragen werden oder eben an der Brust liegen. Und mit „ein wenig anstrengend“ meine ich, dass ich mich heute Abend gern auf die Straße gestellt und das Kind verschenkt hätte. Der Gedanke verflüchtigte sich zwar recht schnell als er die selben Geräusche machte wie der kleine Edward oben im Video, aber ganz einfach war das heute nicht. Vor allem weil ich bei diesem Wetter auch nicht ganz unanstrengend bin: Ich schlafe schlecht, trinke viel, pinkel ohne Ende… Lassen wir das. Jedenfalls kommt gerade alles zusammen.

Aber der Reihe nach.

Eigentlich fing der Tag nämlich ganz gut an. Wetterbedingt war ich etwas früher wach, ließ Frühstück und Kaffee zu Hause ausfallen und konnte demzufolge schon dreiviertel Sieben ins Büro aufbrechen. Das war ganz gut, denn die Temperaturen waren gerade noch so erträglich. Im Büro dann die Fenster aufgerissen, später die Klimaanlage angeschmissen und versucht, halbwegs ordentlich zu arbeiten. Das ging so mittelprächtig, als ich Punkt 16 Uhr den Laptop zuklappte, wäre ich nichtmal ansatzweise für den Titel „Held der Arbeit“ in Betracht gekommen.

Beim Verlassen des klimatisierten Büros lief ich gegen eine Wand aus Hitze und überlegte kurz, nicht zurück zum Alex zu laufen sondern die U2 zu nehmen. Die Vorstellung, in der Rush Hour eingezwängt in der stickigen U-Bahn zu stehen, sorgte dann aber doch dafür das ich zu Fuß ging. Am Alex dann notgedrungen die stickige S-Bahn.


Zu Hause kurz mit Jott erzählt, festgestellt dass das Kind etwas anstrengend ist und sie daher noch nicht einmal geduscht war und dann den Entschluss gefasst, die Geburtstagsparty nicht zu besuchen. Vermutlich bin ich nur übermäßig besorgt, aber ich glaube, so ein sieben Wochen alter Säugling, der alle 90 Minuten gestillt werden möchte, und seine sehr k.o.’e Mama sind in der Ruhe der „nur“ 25° Celsius warmen Wohnung besser aufgehoben als bei 36° Celsius draußen. Und auch wenn die Option bestanden hätte, dass Jott auf der Party stillt, wäre das weder für sie, noch für Schnuffke noch schlussendlich für mich spaßig gewesen.

Das die Entscheidung richtig war, hat sich eine gute Stunde später gezeigt als Schnuffke nur auf meinem Arm und nur beim In-der-Wohnung-umherlaufen schlafen wollte… Immerhin blieb noch genügend Zeit, den Essensplan für die kommende Woche fertig zustellen- diesmal sommerlich leicht, meist kalt und ohne große Aufwände beim Kochen.

Soviel zum Freitag Abend.

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Journal Donnerstag, 6.8.2015

Kopfschmerz- und Matschigkeitsbedingt heute nicht ins Büro. Nach dem Ausschlafen gings schon etwas besser, zumindest gut genug um noch vor der großen Mittagshitze Säuglings-Kram zu kaufen. Danach erstmal hinsetzen und die Füße hochlegen. Gegen Nachmittag/ Abend dann allmählich eine Verbesserung der Lage, gemacht habe ich außer Sandalen-Kauf (das reicht für einen eigenen Beitrag, es ist ganz und gar furchtbar) und Postbus-Ticket-Buchung (davon mehr in zwei Wochen) nicht viel. Halt, stopp: Ich habe mit großer Begeisterung über das Leben im Sex-Shop bei Tag und bei Nacht gelesen. Der Link kam über Herrn Buddenbohm und den Kiezneurotiker rein, das passiert auch nicht alle Tage das es Schnittpunkte in deren Linkbeiträgen gibt.
Wenn Jott und ich mal wieder nach Hamburg (das klingt fast schon weltgewandt, es wäre aber erst das zweite Mal) fahren, haben wir nun jedenfalls ein weiteres Ausflugsziel (unverschämt grinsend ab).

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Journal Mittwoch, 5.8.2015

Von Schnuffke halb sechs geweckt worden, ins Wohnzimmer umgezogen und gleich ins Kinderzimmer zum Wickeln weitergezogen. Immer leise leise, damit Jott nicht aufwacht sondern noch ein, anderthalb Stündchen schlafen kann. Anschließend das Kind in die Wippe gepackt, ins Bad, Morgentoilette, das inzwischen wieder schlafende Kind angehimmelt. Frühstück mit Twitter und Feedly, danach den jetzt jammernden Schnuffke beruhigen und gemeinsam Jott zum Stillen wecken. Küche aufräumen, zur Arbeit fahren, für die erste TelKo vorbereiten. TelKo durchführen, Informationen weitergeben, organisieren, mit den Kollegen erzählen und Mittagpause machen. Die zweite TelKo vorbereiten, durchführen, wieder Informationen weitergeben, wieder organisieren, wieder mit den Kollegen erzählen. Dann die dritte TelKo, danach nach Hause und unterwegs mit Jott besprechen, dass wir uns treffen und gemeinsam noch ein wenig durchs Forum bummeln. Danach nach Hause, Schnuffke wickeln und bespaßen und mit Jott zu Abend essen. Arbeiten an einer Website für einen Onkel, 169 Worte tippen für den täglichen Eintrag. Schlafen gehen mit einem schlechten Gewissen trotz dicken Plus im Überstunden-Konto, weil die Abend-Arbeit für den Arbeitgeber ausgefallen ist.

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Die Sache mit dem Essensplan

Jott und ich sind furchtbare Spießer: Am Freitag Abend, manchmal auch erst am Samstag Morgen, erstellen wir eine Liste mit Gerichten für jeden einzelnen Tag der vor uns liegenden Woche. Wir blättern durch Kochbücher, recherchieren im Internet nach Rezepten oder erinnern uns an Gerichte, die wir seit längerer Zeit nicht gegessen haben. Wir versuchen, das ganze recht ausgewogen zu halten: Mal gibt es Suppe, mal Salat, mal ein Stück Fleisch, mal Nudeln, mal Bulgur.

Für die derzeitige Woche sieht der Plan beispielsweise so aus:

Tag Gericht
Samstag Stampfkartoffeln mit Buttermilch
Sonntag Nudelsalat „Alte Schule“
Montag Gekühlte Rahm-Gurken-Suppe
Dienstag Caesar Salad mit Tofu
Mittwoch Saté-Spieße
Donnerstag Bruschetta
Freitag außer Haus

Am Samstag Vormittag werden alle benötigten Zutaten gekauft und den Rest der Woche können wir uns wunderbar abwechslungsreich ernähren. Was will man mehr? Meist reichen die Portionen sogar, um am Folgetag etwas ins Büro mitnehmen zu können.

Wir handhaben das so seit ungefähr einem Jahr und dieses System hat sich bewährt: Wir haben immer die passenden Zutaten im Haus, müssen uns nicht aufwendig jeden Tag überlegen was wir zu Abend essen wollen, gehen nur einmal die Woche einkaufen und- das ist das Beste- wenn wir beschließen, dass wir statt der gekühlten Rahm-Gurken-Suppe lieber Spaghetti Bolognese essen möchten, ist das trotzdem kein Beinbruch.

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Müde bin ich, geh zur Ruh

Leider habe ich vergessen, was ich heute schreiben wollte. Daher muss ein mittellustiger Tweet herhalten. Außerdem ist es schon wieder kurz vor 22 Uhr, was bedeutet dass mein Plan („Heute gehst Du mal bei Zeiten ins Bett, Paul!“) hinfällig geworden ist.

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Journal Sonntag, 2.8.2015

Ausschlafen bis dreiviertel Acht (danke, liebes Kind!), danach zum Bäcker. Die Luft war noch halbwegs kühl und angenehm, ließ aber bereits erahnen dass der Tag sehr warm werden würde. Nach dem Frühstück- heute wieder mit selbstgemachten Kaffee- fassten Jott und ich daher den Entschluss, gegen Mittag zu meinen Eltern zu fahren. Eigentlich war  geplant, dass sie uns besuchen sollten, aber bei 30° Celsius im Schatten sitzt es sich im Schatten einer Linde im Brandenburger Garten dann doch angenehmer als in einer immer wärmer werdenden Wohnung. Also durchgeklingelt, alles abgekaspert und danach die Wohnung halbwegs vorzeigbar gemacht.

Die Zeit bis zum Losfahren wurde mit dem „Schöne Töchter„-Buch überbrückt. Das Baby war davon nicht übermäßig begeistert, ich dafür umso mehr.

Zur Mittagszeit gings dann ins Brandenburger Umland zu den Baby-Großeltern, die ihren Enkel uns drei schon sehnsüchtig erwarteten. Das Auto verhielt sich auch bei dieser längeren Fahrt sehr brav, es scheint sich bei der Karambolage tatsächlich nur die beiden Beulen am Kotflügel und der Fahrertür zugezogen zu haben. Glück im Unglück quasi, ein fahruntüchtiges Auto wäre dann doch etwas ungünstig.

Im Garten das übliche Programm: Erzählen, essen, die aktuelle Asylpolitik diskutieren (leider fanden wir keine Lösung für dieses Problem und einigten uns letzten Endes darauf, dass es eine ziemlich verfahrene Situation ist) und als Kontrastpunkt dazu Baby- und Jugendbilder meiner Mama angucken sowie Eis mit Erdbeeren essen.

Abends auf dem Nachhauseweg schlief das Baby selig im Auto, schreckte jedoch nach 20 Minuten unvermittelt hoch und schrie sich ohne Vorwarnung die Seele aus dem Leib. Natürlich war es auf genau diesem Streckenabschnitt nicht unmittelbar möglich, an den Seitenstreifen zu fahren, also mussten wir eine gefühlte Ewigkeit (es waren wohl nur drei Minuten) mit einem bitterlich schreienden Säugling eine Abfahrtmöglichkeit suchen. Dann: Anhalten, aus dem Auto spurrten, das Kind aus dem Sitz nehmen und erstmal versuchen zu verstehen, was ihm fehlt. Das ist in dem Alter bekanntlich etwas schwierig, weil die Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt sind. Das Auf-den-Arm-nehmen half jedenfalls, zwei Minuten später war der kleine Igel wieder ruhig und konnte in seinem Sitz weiterschlafen. Nachdem Jott und ich uns gegenseitig versichert hatten, wie sehr uns da gerade die Pumpe ging, rätselten wir auf der Weiterfahrt noch eine Weile herum was denn da gerade los gewesen sein könnte und einigten uns auf einen Albtraum.

Zu Hause dann das Sonntag-Abend-Programm: Kind, Couch, Tv/ Laptop.

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Journal Samstag, 1.8.2015

Sinngemäß schrieb ich vor ein paar Tagen, dass ein Säugling, der

mit hochroten Kopf und quiekend schnaufend grunzend pfeifend ächzend stöhnend glucksend

zu furzen versucht, ja ganz putzig sein kann und daher nicht unbedingt nervt. Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht müde.

Um 4 Uhr heute morgen schon. Und Zehn nach Fünf auch. Und um 6:45 Uhr immer noch. Ich revidiere mich also: Es nervt doch ein wenig. Und das glückselige Lachen, nachdem die Luft vorerst raus war, war ganz nett, aber eine durchschlafene Nacht wäre definitiv netter gewesen.

Aber: Da kann man nichts machen (außer Bauchmassagen, gut zureden, ein wenig schaukeln und sich immer wieder daran erinnern, dass der kleine Igel nichts dafür kann und in diesem Moment wesentlich schlimmer dran ist).

¯_(ツ)_/¯

Etwas Gutes hatte das frühe Aufstehen dann aber: Zu so früher Stunde waren unsere Lieblingsbrötchen beim Bäcker unseres Vertrauens noch nicht ausverkauft. Der angenehmere Teil des Tages begann also mit einem ausgiebigen Frühstück, dem Baby-Bespaßen und ein wenig Internet-Gucken folgten.

Gegen  11 Uhr ging es dann zum allsamstäglichen Wocheneinkauf. Jott hatte dankenswerter Weise schon am Vorabend einen Essensplan für die kommende Woche erstellt, so dass ich nur noch die entsprechenden Zutaten und sonstige Lebensmittel notieren und aufbrechen musste. Bei Netto (ehemals Plus, nicht der mit dem schwarzen Hund) war es dann wundersamer Weise verblüffend leer, so dass der Einkauf schnell über die Bühne ging. Sehr angenehm, so kann das immer.

Wieder zu Hause wurden alle Einkäufe verstaut, dann ging es kurz darauf mit Frau und Kind die bei Netto nicht vorrätigen Lebensmittel einkaufen. Es ist immer noch ein kleines Abenteuer (huckeliges Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteinkanten, hundekackeübersäte Bürgersteige, enge Gänge im Discounter, im Weg rumstehende Menschen…), die Stadt mit einem Kinderwagen zu erfahren.

Zurück vom Einkauf war Zeit für ein wenig Faulenzen, bis dieses vom DHL-Boten unterbrochen wurde der neuen Kaffee (Yukro, Yachi Kachise– ich hatte zwar eine andere Sorte bestellt, diese aber versehentlich nicht geliefert bekommen-) und das heiß und innig ersehnte „Schöne Töchter„-Buch vom genialen Flix lieferte.

Für einen längeren Blick ins Buch blieb keine Zeit, wir waren zum Kaffee mit Bekannten verabredet um ihnen das Kind vorzustellen. Also rein ins verbeulte Auto, einmal nach Neukölln gefahren und dann bis in die frühen Abendstunden bei Kaffee und Kuchen im Garten gesessen und erzählt. So ein Garten ist eine wunderbare Sache- wir brauchen sowas auch. Und das dazugehörige Häuschen ebenfalls. Bleibt die Frage, wo es herkommt.

Nachdem wir wieder zu Hause waren, machte Jott Bruschetta, ich bespaßte den Igel und danach wurde ein relativ hohler Spielfilm auf der Couch angesehen.

Schöner Samstag. Sehr schöner Samstag.

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#!$%?…

Ich bin etwas erbost.

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Situationen

Natürlich war der gestrige Beitrag „Alltag“ etwas übertrieben. Ganz klar: Auch Frau Novemberregen wird nicht jeden Tag von merkwürdigen Menschen angesprochen oder hat eine Unterhaltung mit dem Oberchef, die es wert ist niedergeschrieben zu werden. Das wäre auch verrückt und ließe sich vermutlich gar nicht aushalten. Und vermutlich ist der Arbeitsalltag vieler von mir geschätzter Blogger auch recht unspektakulär. Was ich aber immer so faszinierend finde sind die vielen kleinen Situationen, die festgehalten werden. Das geht mir derzeit etwas ab: Ich bewege mich im öffentlichen Raum auf festen Routen, die ich mehr oder weniger auf Autopilot abreiße. Kein Blick nach links, kein Blick nach rechts. Das fiel mir vor einer Weile schon auf, weswegen ich versuche immer mal nicht auf das Buch, die Zeitung oder das Smartphone zu schauen sondern bewusst in mir aufnehme was gerade um mich herum passiert. Meist ist es recht banal: Menschen laufen von A nach B, lesen in Büchern, Zeitungen oder Smartphones, unterhalten sich oder machen nichts.

Manchmal gibt es allerdings auch Ausnahmen, die sich sich ausschlachten lassen.

So ist mir vom gestrigen Tag die Frau in Erinnerung geblieben, die am Ostkreuz in die S3 einstieg, sich hinsetzte und ihr Buch auspackte und eine halbe Minute später fluchtartig den Wagen verließ als eine Familie mit mehreren kleinen Kindern die Plätze neben ihr einnahm. Sehr zur Erheiterung der Familieneltern.

So etwas bietet dann natürlich Raum für reichlich Spekulationen: Ist die Frau Kinderhasserin? Hat sie vor kurzem ihre Familie verloren und erträgt den Anblick anderer Familien nicht? Ist sie nach einem langen Arbeitstag genervt und möchte einfach nur in Ruhe ihr Buch in einem ruhigen S-Bahn-Wagen lesen? Hatte sie mal eine Beziehung mit dem Familienvater und kann ihm nun nicht mehr in die Augen blicken? Man weiß es nicht (ich würde allerdings Grund #3 vermuten).

Nach diesen ungefähr 60 Sekunden Spannung kehrte wieder Normalität ein. Und die Kinder haben zwar Kindergeräusche gemacht, aber nicht übermäßig gestört.