Horror-KiTa-Übergabe. Alles begann in der S-Bahn auf Höhe Warschauer Straße, als Herr Schnuffke „Aa Aa“ sagte und die Augen leicht zusammenkniff. „Kein Problem“, dachte ich mir, das Kind trägt eine Windel, zur Not hab ich Wechselklamotten für ihn bei und wir sind ja bald in der KiTa.
In der KiTa angekommen bestätigte ein eilig durchgeführter Geruchstest das Kind- jopp, das war „Aa Aa“. Also Herrn Schnuffke unter den Arm geklemmt, ab in die Toilette seiner KiTa-Gruppe und ihn dort auf den Wickeltisch gelegt und gewickelt.
Beim Blick in die Windel hätte ich stutzig werden müssen- da war nämlich so gut wie nichts drin. Aber merkwürdig, dass der Po beim Abwischen einfach nicht- „HOLY SHIT, das Kind presst und presst und presst, schnell Paul, SCHNELL, setz es aufs Klo!“- so ähnlich meine Gedanken.
Hätte ich mal die zum Denken benötigte Energie besser in Bewegung gesteckt- beim Hinübertragen von der Wickelkommode zum Klo war ich nämlich nicht schnell genug, und mit einem Mal war der Fußboden der Toilette gesprenkelt.
Naiv, wie ich bin, dachte ich, dass das Kind nun fertig sei, setze es ab um das Häufchen auf dem Boden wegzuputzen und… sah erschrocken zu, wie Herr Schnuffke in einer sich ausbreitenden Pfütze stand und pullerte. Und dann darin herumstapfte.
Ab diesem Moment war ich überfordert: Ein Häufchen auf dem Boden, eine größer werdende Pfütze und ein untenrum nackiges Kleinkind, das darin herumlief.
Herrn Schnuffke war das aber erstmal egal, das Herumlaufen schien seine Verdauung nur noch weiter angeregt zu haben: Mit einem Mal blieb er stehen und presste weiter. Ich eilte also fast schon panisch hin zu ihm, hob ihn hoch und setzte ihn aufs Klo. Das lief gut, er kackte ins Klo und alles war gut.
Dachte ich. Und dachte falsch. Als ich nämlich wieder annahm, dass er fertig war- ernsthaft, irgendwann muss ja wohl mal Schluss sein- und ihm vom Klo hob um seinen Po abzuwischen, kackte Herr Schnuffke auf die Klobrille. Also stellte ich ihn in eine noch saubere Ecke der Toilette, reinigte die Klobrille, drehte mich um und sah, dass er nochmal pullerte. Das nahm ich dann nur noch hin, schicksalsergeben.
Um weitere, ich nenne es mal euphemistisch „Verunreinigungen“, des Bodens zu verhindern und dem Kind die Möglichkeit zu geben, sich tatsächlich wirklich komplett zu entleeren, setze ich ihn nochmal auf das Klo und begann mit den Aufräumarbeiten. Eine halbe Minute später bemerkte ich, dass das Kind ohne meinen Halt in das etwas zu große Klo rutschte und zu weinen begann. Nagut, da musste es durch. Ich beeilte mich und warf die zur Reinigung benutzten Taschentücher sowie die Windel vom Anfang der Schilderung in den Windeleimer- genau, DEN Windeleimer, mit dem ich schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hatte.
Um es kurz zu machen: Auch diesmal funktionierte die Fallvorrichtung beim Umlegen des Hebels nicht richtig, einige der Taschentücher wurden eingeklemmt und verschmierten ihren Inhalt.
Ich halte fest: Ein heulendes Kleinkind mit schmutzigen Po, bepinkelten Füßen, ein kackverschmierter Windeleimer, mehrere Pfützen + Fußspuren daraus auf dem Boden und mehrere Häufchen-Reste.
Mir war dann vorerst egal, wie Windeleimer und Boden aussahen: Ich schnappte mir Herrn Schnuffke, beruhigte ihn mit meinem Handy (das er, weil er ja momentan alles runterschmeißt, in den schmalen Spalt zwischen Wickelkommode und Wand schmiss), säuberte ihn, zog ihn an, übergab ihn- wir beide waren etwas aufgelöst- an eine seiner Erzieherinnen und ließ mich aufklären, wo ich Reinigungsutensilien für die Toilette fände.
Im Anschluss putzte und desinfizierte ich das Klo, den Boden, den Windeleimer, die Wickelkommode und mich (wo gehobelt wird, fallen Späne- nicht alle Taschentücher sind, vor allem nass/ mit Inhalt tatsächlich reißfest), verschob die tonnenschwere Wickelkommode, fischte mein Handy heraus und musste mich dann erstmal trockenwischen, so nassgeschwitzt war ich vor lauter Stress und Hektik.
Der restliche Tag war im Vergleich dazu unglaublich entspannt.
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Viel mehr spannendes ist heute nicht passiert- wie das eben so an ganz normalen Werktagen ist.
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Was schön war: Mich nach dem Fäkalvorfall in der KiTa bei Jott ausheulen und zusammen mit ihr am Telefon darüber lachen.



