Kategorien
Journal

Journal Mittwoch, 20.2.2019

Wieder im Büro gewesen. Heute gings schon ein wenig besser. Toll ist aber anders.

Wir Rabeneltern: Am schwarzen Brett der Zwillings-Kindergruppe hängt seit guten zwei Wochen ein Zettel zum aktuellen Projekt, das die Gruppe „bearbeitet“ (Schöpfungsgeschichte – Genesis). Dort, im Fließtext versteckt, findet sich auch der Hinweis, dass die Kinder Taschenlampen benötigen… Welche Kinder haben seit zwei Wochen keine Taschenlampen in der KiTa bei? Richtig, (unter anderem) unsere. Wir haben das beide, unabhängig voneinander, nicht sehr gründlich überflogen und den Taschenlampen-Teil eben nicht mitgeschnitten.
Nachdem Jott Anfang der Woche einen Wink mit dem Zaunpfahl von der Gruppenerzieherin bekam, hat sie direkt drei Taschenlampen bestellt und ab morgen sind die Kinder dann gut ausgerüstet.

Eine Mitbringaufforderung im Fließtext… Wir brauchen das groß und schwarz auf weiß und mit Ausrufezeichen.

Die Zwillinge unternehmen erste große Schritte in Richtung Trockenwerdung. Beide wachen morgens mit trockenen Windeln auf und gehen als erste Amtshandlung des Tages aufs Klo, beide können inzwischen auch die richtige Toilette benutzen und sagen sogar schon gelegentlich, wenn sie pullern müssen. Total toll.

Bei M läuft es derzeit leider wieder mal nicht so gut, er kommt beinahe täglich mit einem Beutel nasser Sachen nach Hause. Das darf sich recht schnell wieder legen.

G macht derzeit rasante Schritte in der Sprachentwicklung. Sie benutzt sinnvolle 4-Wort-Sätze, plappert wie ein Wasserfall und kombiniert immer wieder neue Worte– auch beim (gutgelaunten) Pöbeln. Gestern Abend zog sie lauthals erzählend durch den Flur, hielt dann kurz inne, sah mich und trompetete „Alter [lange Denkpause] Mann!“ heraus.

Na toll. Gedisst von einer pöbelnden Zweijährigen.

Andere Kreationen waren „Alte Muschi“ und „Blöde Muschi“. Jott und ich sind ein bisschen schockiert– von uns hat sie das so nicht.

Überhaupt, G: Andere kleine Mädchen in dem Alter, die wir kennen, sind zarte, leise Elfen. G nicht. G ist groß und stark und ein bisschen tolpatschig, sehr sehr laut, und eine rotzfreche kleine Göre.
<3

M bringt öfter mal Lieder nach Hause wie „In der Nacht, wenn der Büstenhalter kracht…“ und „Zieh Dich aus, kleine Maus…“. Nachdem er das ein paar Mal gesungen hat und auf Nachfrage sagte, dass er das von einem KiTa-Freund habe, war ich sehr neugierig und fragte heute mal die Gruppenerzieherin dazu aus. Ich würd ja schon gern wissen, wie damit umgegangen wird. Zu Hause erklären wir M, wenn er sowas singt, ganz viel, er hat zum Beispiel gelernt, dass Babys zwar eine Weile im Bauch leben, aber der Bauch eben nicht explodiert wie es das Lied sagt, sondern die Babys über die Vagina (bzw. Muschi für ihn und die Zwillinge) aus dem Bauch raus kommen und geboren werden. Aber das muss eben auch in der KiTa so aufgegriffen werden.
Jedenfalls: Die Lieder kommen wohl in der Tat von anderen Kindern bzw. werden auch von der Erzieherin aufgriffen („Zieh Dich aus“ beim Ausziehen in der Garderobe, weil sich die Kinder beömmeln), aber es wird eben ein Kontext gegeben: Das es Quatschlieder sind, und dann wird auch erklärt, dass z.B. Babys nicht aus explodierenden Bäuchen kommen (ganz niedlich: Das hat M den anderen, auch größeren Kindern, erklärt).
Mich hat das ein bisschen beruhigt. Solange sowas altersgerecht aufgearbeitet wird, ist mir vieles recht.

Abends versorgten wir Stromausfall-Geschädigte Freunde von uns mit einem heißen Bad für die Tochter und einem gemeinsamen Abendessen bei elektrischen Licht. Als Gegenleistung werden wir die Kinder im Sommer eine Woche zu ihnen schicken (hehehe).

2 Antworten auf „Journal Mittwoch, 20.2.2019“

Sehr geehrter Herr Paul,
schon seit ich bei Ihnen lese finde ich Sie (Plural) großartig, speziell im Umgang mit Ihren drei Kindern. Neben zwei Jobs und „dem bischen Haushalt“ machen Sie sich viele Gedanken zu bestmöglichen Lösungen für komplizierte Themen. Und schreiben es auch noch öffentlich auf. Täglich. Ich bin schwer beeindruckt.
Das heikle Thema Sexualerziehung/Körpererkunden/gesellschaftlicher Umgang damit wird von Eltern gern ignoriert, nicht von Ihnen.
Kinder profitieren davon, wenn sie von Anfang an die richtigen Begriffe für die (sichtbaren) Sexualorgane des menschlichen Körpers erlernen. Glied/Penis und Schamlippen/Vulva sollten genauso selbstverständlich verwendet werden wie Ellenbogen oder Ohrläppchen. (Vagina bezeichnet den innenliegenden Teil.)
Schon kleine Kinder merken, daß mit diesen Körperteilen anders umgegangen und nicht gern darüber gesprochen wird. Durch sachliche Erklärung kann man seinen Kindern einen gesunden und unverkrampften Umgang mit dem eigenen Körper ermöglichen.
Im Grundschulalter kommt dann noch die gesellschaftliche Komponente hinzu, Sexualität als Vorwand für Witze, Mobbing, Erniedrigung, Machtmißbrauch. Spätestens wenn Smartphones kursieren sollten Kinder auch über Pornographie bescheid wissen.
Ja, das ist alles viel früher als „damals“, aber es ist wohl nicht zu ändern.
Ich wünsche Ihnen (und uns allen) Mut und Zuversicht!
(Ich bin nicht vom Fach, habe aber zwei Töchter im Grundschulalter und mache mir gerade selbst viele Gedanken dazu.)
Herzliche Grüße vom Rhein

Danke für die Bauchpinselei Wir benennen die Körperteile vorrangig kindgerecht. „Muschi“ und „Puller“ sind gleichaltrigen Kindern geläufiger als Vulva, Vagina, Penis und Hoden. M weiß immerhin schon, dass der Puller auch Penis genannt wird und unter dem Penis ein Hodensäckchen ist.
Wir fahren die Schiene, alles zu erklären, damit die Kinder möglichst viel verstehen und eben unverkrampft mit diesem Thema und ihrem Körper umgehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.