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Elternzeit 2017 Journal

Journal Mittwoch, 9.8.2017

Der Elterngeldbescheid kam heute endlich an. Jetzt sollte es bis zur Auszahlung des Elterngeldes ja hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern.

Wir waren heute Vormittag allesamt bei der Krabbelgruppe, bei der wir auch am vergangenen Mittwoch waren. M hatte auch jede Menge Spaß, er bekam nämlich eine große Kiste mit Bausteinen hingestellt und war danach eine ganze Weile nicht mehr ansprechbar.

Am Nachmittag ließen wir im Hof in Ms zum Geburtstag geschenkter Wasserbahn ein paar Schiffe im Kreis fahren, spielten Fangen, ich warf diverse Kinder in die Luft (und fing sie auch wieder auf #vaterdesjahres). Außerdem erschlugen wir ungefähr eine Million Mücken, das war echt schlimm.

Als die Kinder reichlich ausgepowert und wir hinreichend zerstochen waren, gingen wir gegen 17 Uhr wieder nach oben. M durfte Baden, die Zwillinge spielten ein bisschen im Wohnzimmer, Jott und ich bereiteten die unterschiedlichen Abendessen vor. Als alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, griff ein Rädchen ins andere. Mit dem Ergebnis, dass die Zwillinge 18:30 Uhr schliefen, M nach dem Sandmännchen ins Bett ging, und wir 19:30 Uhr tatsächlich mit dem Haushalt fertig waren. Irre.

Ich kriege immer mal wieder (Facebook und Instagram sei Dank) Einblicke in die Welt von anderen Mehrlingseltern/ Großfamilien. Da kommen dann echt gruselige Details zu Tage (Dauerstillen, Schlafen nur in Stunden-Etappen zwischen 1 und 4 Uhr, stundenlanges Herumtragen damit die Kinder ruhig sind, etc. pp.). Und trotzdem schreiben die Eltern zum Großteil, wie supertoll das alles ist. Man sieht förmlich das Leuchten in ihren Augen, wenn sie dann schreiben das sie seit Wochen Nachts nur 4 Stunden Schlafen, keine Zeit zum Duschen haben, usw.. Und da frag ich mich: Warum? Finden die das wirklich geil? Gehen die da echt so absolut drin auf? Und was geht mir ab, dass es bei mir nicht so ist? Denn mal ehrlich: Ich find weder Schlafmangel, noch ständige Verfügbarkeit für die Kinder, noch dauernd nölende Kinder, noch wechselnde Krankheiten, noch dieses „Irgendwas ist ja immer“/ „Einer schreit immer“ toll. Ganz im Gegenteil. Das ist unglaublich anstrengend und auslaugend und ich bin um jeden Tag froh, den wir überstehen. Und hoffe, dass so bald mal einfacher wird und nicht mehr so kräftezehrend. Aber offenbar bin ich damit eine Ausnahme- oder?
Klar ist es schön, wenn die Kinder miteinander spielen, mich anlächeln, niedlich sind, friedlich schlafen- das erfreut mein Herz. Aber das reicht doch nicht, um die nicht so schönen Seiten komplett auszublenden… Es ist, als ob in Bezug auf diese Dinge nur die „Das Glas ist immer halbvoll“-Sichtweise erlaubt ist.

Der Tagesspiegel über die Thaiwiese in Berlin. Ich wusste gar nicht, dass das inzwischen so gehyped wird. Ich hab da vor ein paar Jahren mal von gehört und wollte immer mal hin, habs aber nie geschafft…

Was schön war: Eine kurze Ruhepause, als die Zwillinge Mittagsschlaf und Jott und M Mittagsruhe hielten.

11 Antworten auf „Journal Mittwoch, 9.8.2017“

Lieber Herr Paul, ich habe gerade ein paar sehr anstrengende und kräftezehrende Tage mit “ nur“ 2 Kindern hinter mir und finde das auch nicht toll. Mein Mann ebensowenig.
Sie sind also nicht allein, lassen Sie sich das nicht einreden! Kinder sind anstrengend, in jedem Alter auf andere Weise.
Also… Augen zu und durch, die Umtauschfrist ist schon vorbei… ;-)

Guten Abend Herr Paul,
Auch von hier kann ich melden, dass vor allem diese schlaflosen Nächte mit zwei kleinstkindern (2;2 und 0;6) EXTREM an die Substanz gehen. Und das kann ich mir auch echt nicht vorstellen, dass das jemand so einfach wegsteckt.
Ich versuche aber natürlich auch, dass Augenmerk gezielt auf die schönen Dinge, die das Kinder haben so mit sich bringt, zu lenken. Z. B. Die zwei Minuten bewusst genießen in denen die Kinder mal friedlich und zufrieden spielen :-)
Ich denke, wenn man nur diese Momente des Tages dokumentieren würde, käme nach außen hin auch ein ganz anderes Bild heraus.
Also wünsche ich weiterhin gutes durchhalten und trotzdem genießen! :-)
Herzliche Grüße,
Anna

Neinnein, Sie sind nicht allein. Annas Kommentar trifft es gut. Es gibt ja schon länger Kritik an Familienblogs, in denen alles als supertoll, schön, easy und am besten immer stylish aufgeräumt erscheint – das erzeugt Druck. Ist aber nicht repräsentativ. Deswegen les ich ja gerne bei Ihnen, das ist das Gegenteil von Druck. :-)

Lieber Herr Paul,
auch als Erstlingsmutter habe ich jeden Schritt hin zu mehr Selbständigkeit gefeiert und freue mich darüber, wie viel entspannter die Zeit mit 14 Monaten im Vergleich zu den ersten sechs bis neun Monaten ist. Ich nehme dieses Hochhalten von großer Aufopferung für die Kinder auch wahr und frage mich immer, warum das so medial ausgelebt wird. Ich denke manchmal, dieser Müttertopos der allzeit bereiten und verfügbaren Dienerin des Kindes dient vor allem zur Selbstbestätigung, damit es aushaltbar bleibt. Ich persönlich fand diese mediale Zurschaustellung der persönlichen Aufopferung vor allem deswegen grenzwertig, weil es mein schlechtes Gewissen sehr genährt hat, das erste dreiviertel Jahr nicht supertoll und flauschig empfunden zu haben.
Herzlichst aus Altglienicke,
Daniela

Nein, sind Sie nicht.
Glauben Sie auch nicht ernsthaft, oder?
Ich denke, das ist einfach eine andere Art des Überlebens – Schönreden bis man es eventuell selbst mal glaubt. Ich bezweifle aber, dass das zufrieden macht. (Nein, ich bin mir sogar sicher, dass nicht.) Und ich schüttle da auch oft einfach ungläubig den Kopf – klar gibt es unterschiedliche „Leidensfähigkeit“ unter den Eltern (nicht umsonst habe ich mit zweien meine Grenze deutlich erreicht, während andere auch vier oder fünf wuppen), aber dass immer alles hübsch und schick ist, kann mir echt niemand erzählen. Lebenserfahrung rockt g
Aber ja, es wird besser und zwar erstens und am allermeisten wirklich durch den irgendwann wieder ausreichenden Schlaf. Und durch die zunehmende Selbständigkeit der Kinder. Pubertät ist auch kein Spaß, wahrlich nicht, aber immerhin hat man Schlaf und ausreichend Zeit für sich, um wieder aufzutanken ;-))
Sie machen das alles schon ganz wunderbar so…
LG Tina

Also ich fand es bei meinen Kindern schrecklich. Allein der Schlafmangel. Bei Kind nr 2 eineinhalb Jahre…das Lachen ist mir vergangen und stolz war ich auch nicht. Nur neidisch. Auf die guten Schläfer….

Hallo Herr Paul,
ich melde mich als Dreifachmutter (gerade 6, 2,5 und 8 Monate). „Irgendwas ist immer“ schwebt mir selbst oft durch den Kopf. Es gibt Tage, an denen ich schon mittags den abendlichen Schlaf der Kinder herbeisehne, weil gefühlt alles schiefläuft und ich gerne abends mal eine Runde ausreißen möchte (nur „möchte“ bzw. höchstens in Babyphone-Reichweite, weil Junior seine Milchbar braucht).

Es ist manchmal sooo schwierig, allen Bedürfnissen gerecht zu werden – und wessen Bedürfnisse bleiben zumeist auf der Strecke? Ja, die eigenen. Meine Erfahrung ist aber, dass mir mit der wachsenden Selbständigkeit der Lütten immer wieder ein bisschen mehr abgenommen wird. Ja, es dauert länger; ja, es erfordert viiiel elterliche Toleranz und ja, ich halte es nicht immer aus. Aber ich bemühe mich.

Und irgendwie ist es doch auch eine Frage des Blickwinkels. Die Mittlere hat nicht mit knapp zwei Jahren um ein Geschwisterchen gebeten – es war eine Entscheidung der Eltern (bei manchen bewusst so geplant, bei manchen etwas weniger ;-)).
Es ist definitiv der herausforderndere Altersabstand als die dreieinhalb Jahre zwischen Kind 1 und 2. Was ich damit sagen will: mir persönlich hilft es, dies im Hinterkopf zu behalten. Es kommen wieder unabhängigere Zeiten. Es war unsere Entscheidung, mehr als ein Kind zu bekommen. Wir sind für die Geborgenheit, das Nest, das Wohlfühlen unserer Sprösslinge zuständig. Und trotzdem dürfen wir auch alles einfach mal doof finden.

Ach Herr Paul, Sie haben Recht! Mit nun mittlerweile 3 Kindern zwischen 9 Monaten und 6 Jahren kann ich nur bestätigen: Es ist anstrengend!!! Wobei ich momentan die ‚Diskussionen‘ mit den größeren Kindern kräftezehrender finde, als die Bedürfnisse des Babys. Und nein, ich handle auch nicht immer pädagogisch wertvoll und den Bedürfnissen der Kinder gerecht werdend. Manchmal habe ich einfach alles satt und das merken die Kinder dann auch. Und ich habe aufgehört mich deswegen nicht zu mögen. Ist eben menschlich und meist sprechen wir darüber, wenn der Sturm sich gelegt hat.
Und trotzdem wiegen die schönen Momente vieles auf und letztlich sind es die schönen Dinge, die unser Gedächtnis behält. (Kennen Sie die Geschichte der Großelterngeneration wie wir alle ganz schnell durchgeschlafen haben und überhaupt später auch nie ständig aus dem Bett gekommen sind? ;-) )
Also Kopf hoch und durchhalten! Sie machen das toll!
LG, Gis

Hallo Herr Paul,
ich hatte zwar keine drei, aber zwei kleine Kinder (im Abstand von 22 Monaten) und zusätzlich zeitweise mein Patenkind (so alt wie der ältere Sohn) in Pflege. Es war eine so harte Zeit, der Schlafmangel und die ständige Verfügbarkeit waren so anstrengend, das wir wirklich manchmal verzweifelt sind. Jetzt ist alles anders: die Jungs sind jetzt 10 und 12, die Sorgen bleiben, aber es ist vieles einfacher geworden. Wir schlafen wieder durch, die Jungs wollen oft gar keine Ansprache von uns, weil sie ihr Ding machen wollen, wir haben Zeit und Ruhe. Es wird besser!
Liebe Grüße
Sabine

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