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Samstag, 27.08.2022

Lange schlafen dürfen, Jotts Mama und Jott standen auf und waren bei den Kindern. Yay!


Den Tag über ein bisschen verschlumpft und dem Abend-Event entgegen gefiebert, immer mit bangen Blicken auf den Wetter-Bericht. Es sollte zwar den ganzen Tag regnen, aber der Blick aus dem Fenster zeigte das Gegenteil– zwar bedeckt, aber trocken. Langsam keimte Hoffnung auf, dass wir vielleicht Glück haben könnten und das Ärzte-Konzert stattfinden würde.

Wir trafen uns gegen 16 Uhr mit A und E am Bahnhof. Einlass war zwar ab 14:30 Uhr, aber weil wir alte Menschen und keine Hardcore-Fans sind und zudem auch recht ruhig stehen wollten, war das für uns früh genug. Am S Köpenick stiegen dann auch andere Ärzte-Fans ein, zu erkennen an dne Fan-Shirts. Wir hatten nichts dergleichen, wenngleich ich im Vorfeld überlegt hatte mir ein Shirt zu kaufen (das hatte ich aber verworfen, weil ich die allesamt nicht schön fand).

Am Ostkreuz wurde es dann merklich voller, viele viele andere Ärzte-Fans drängten sich auf dem Bahnsteig gemeinsam mit uns in die Ringbahn. Höhe Treptower Park dann ein kurzer Angst-Moment, als es mit einem Mal anfing wie aus Eimern zu schütten– das war aber zum Glück nur eine kurze Husche.

Angekommen am S Tempelhof dann der erste Moment, an dem ich mich fragte ob ein Open Air Konzert mit ungefähr 60.000 Menschen eine gute Idee war. Es war unfassbar voll, laut und ziemlich schwül (dafür können die Menschen nichts, aber ich fands doof). Naja. Wir bahnten uns einen Weg durch die Massen, gingen aufs Flughafengelände, durch die Einlasskontrollen und waren drin. Noch ungefähr eine Stunde Zeit bis Beginn. Erstmal was zu futtern gekauft, dann was zu trinken, standhaft geblieben und bei den Preisen nicht geweint, einen Platz gesucht und dann gewartet. Ich dacht ja, wir sind schon recht nah dran, aber das war nur eine Illusion weil die Bühne unfassbar groß war und ich keine Entfernungen schätzen kann. Zum Glück gabs aber große Videowände.

18 Uhr gings mit Muff Potter los. Mitte der 00er-Jahre fand ich die super, auf dem Konzert dann nur noch einigermaßen okay. So semi-intellektuellen, melancholisch angehauchten Deutsch-Gitarren-Indie-Rock bin ich wohl ein bisschen entwachsen. Aber war in Ordnung, das war ja nur die Vorband. Nachdem sie fertig waren hieß es wieder warten, bis SDP als zweite Vorband spielten. Das war ’ne ganz andere Geschichte, die fand ich deutlich besser. Zudem machten die richtig Stimmung, das war ein ziemlicher Spaß. Eindeutig neue Musik kennen gelernt.

Irgendwann waren aber auch SDP wieder fertig, verließen die Bühne und… wir warteten. Ich leierte an, dass wir doch vielleicht noch ein bisschen weiter nach vorne gehen könnten, aber viel war auch nicht mehr zu machen– nach 20 Metern (immerhin) gabs kein Durchkommen mehr. Aber: Videowände, von daher nicht schlimm.

Gerade als mir der Rücken wehzutun begann– stundenlanges Stehen bin ich nicht gewohnt– gings endlich, endlich los: Die Ärzte. Zum zweiten Mal im Leben live (das erste Mal war 2003?4?5? in der Wuhlheide). Los gings mit Himmelblau, das ist ja ein super Opener. Von da an gings im stetigen Wechsel zw. (sehr) alten und neuen Liedern weiter. Bei allen Liedern vor „Jazz ist anders“ war ich (bis auf die ganz frühen Sachen) ziemlich textsicher, bei den neueren… naja. Da hörte ich dann mehr zu als mitzugröhlen. Große Freude über „Wir sind die Besten“, „Hurra“, „Angeber“ und einige ältere Perlen. Gefühlt war immer ein Lied bombe und danach kam ein nicht ganz so tolles. Aber hey, die Live-Erfahrung war super, das lohnt sich bei den Ärzten (sag ich nach zwei Live-Konzerten und x Mal Mitschnitten hören) tatsächlich sehr. Wie immer waren die Ansagen/Zwischenmoderationen/Kabbeleien zw. Farin und Bela super unterhaltsam, und die Musik, ach… Ich weiß schon wieso ich die nach ungefähr 20 Jahren hören immer noch ganz/sehr gut finde.

Die anderen Konzertbesucher waren erstaunlich heterogen. Ein paar Kinder begleiteten ihre Eltern, dann gabs meines Erachtens eine Lücke bei den Altersgruppen 10 – 30 und ab 30 gings dann bis so ca. 60 weiter. Wir waren mit unseren 34 – 44 gut dabei, alles Leute die mit den Ärzten ab Mitte der 90er groß geworden waren. Einige (alte) Punks waren dabei, sehr viele „normale“ (wie wir), dazwischen Hipster, Emos/Gothics… spannende Mischung.

Neben/hinter/vor uns (je nach Aufstellung) war eine Truppe, die sich nochmal beweisen musste wie wild und ausgelassen sie mitgehen konnten (Endzwanziger/Anfangdreißiger, eher so Typ „Frischgebackene Eltern aus der Provinz müssen nochmal zeigen wie wild sie sind“), die nervten ein bisschen rum weil sie meinten, hinten auf den ruhigen Plätzen pogen zu müssen. Nach ein paar Remplern verstanden sie aber, dass wir + andere das nicht so toll fanden und suchten sich eine Lücke. Ich stand recht paultypisch eher still da, wippte vor mich hin und grölte mit. Zu ausgelassen ist nicht meins. Jott ging schon ein bisschen mehr mit, die ist aber auch eine kleine Tanz- und Partymaus.

23 Uhr war Schluss, wir quälten uns durch Menschenmassen zum Columbiadamm weil wir annahmen, dass es dort ein bisschen leerer als Richtung S Tempelhof sein würde. Wars vermutlich auch, spielte aber bei besagten 60.000 Menschen keine Rolle. Busse waren überfüllt, Taxis nicht vorhanden, also machten wir uns auf den Weg Richtung Neukölln. Auf die U6 zählten wir nicht, die würde gerammelt voll sein. Ich wär eigentlich bis zur U8 gelaufen und dann mit der S-Bahn nach Hause gefahren, aber meine Begleitung fand das nicht so prickelnd, vor allem Jott schwächelte ein wenig. Mit viel viel Glück fanden wir ein Taxi– es hielt gerad, ich rannte über die Fahrbahn und fragte ob es frei wäre– und dann durften wir, obwohl das vor uns eigentlich die letzte Tour sein sollte, noch nach Köpenick fahren. Wurde vermutlich nicht mehr eingebongt, aber das war uns ja egal.

Ankunft zu Hause gegen 1 Uhr, danach nur noch ins Bett.

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