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Journal Freitag, 4.5.2018 – Hörnchen

„Ey Paul, weshalb steht da „Hörnchen“ in der Überschrift?“ – Weil J heute einen bockigen Tag hat. Und was für einen… Sowas hab ich bislang weder bei M noch G erlebt.

Es fing am Morgen an, da waren meine Nerven noch einigermaßen intakt (trotz einer wirklich, wirklich miesen Nacht dank der beiden Jungs). Beim Spielen im Kinderzimmer bekam er eine Kiste nicht unter einem Tisch hervorgezogen und das war offenbar ein traumatisches Ereignis: Es folgte ein ungelogen 20-minütiger Trotzanfall, aus dem er nicht herausgeholt werden konnte. Anfangs probierte ich es noch mit neben ihm sitzen, beruhigend auf ihn einreden und Hand auflegen- trotzende Kinder sollen ja recht häufig Nähe brauchen, weil sie alles andere nicht mitbekommen-, aber als er zum wiederholten Mal nach meiner Hand schlug, ließ ichs bleiben und probierte es mit ruhigen Vorsingen. Das hatte M immer mal beruhigt, vielleicht ja auch J. Möp, nein. Irgendwann hatte ich dann genug davon, neben dem sich auf dem Boden windenden, brüllenden Kind zu sitzen, ließ ihn liegen und sich auspowern und räumte die Küche auf. Als ich damit fertig war, brüllte er immer noch, aber etwas „kontrollierter“, mehr so aus „Ich hab damit angefangen, also mache ich weiter“. Er nahm mein Angebot, ihn hochzunehmen, dann auch an und musste sich erstmal auf dem Arm ausruhen, so verschwitzt und atemlos wie er war.
Bis zu seinem Vormittagsschläfchen war er dann wie ausgewechselt: Fröhlich, ruhig, ausgeglichen… Als ob er den Trotzanfall gebraucht hat.

Leider hielt sich das nicht bis zum Nachmittag. Ab ungefähr 15 Uhr häuften sich die Wutanfälle und gingen irgendwann in anhaltendes Gebrüll über. Als Jott gegen 17 Uhr kam, war ich heilfroh, die Dreiviertelstunde davor hatte J nämlich tatsächlich ohne Unterbrechung geschrien und getobt und sich nur für zwei, drei Minuten auf dem Arm beruhigen lassen.

Ich hab mich den Tag jedenfalls wiederholt verflucht, ihn heute noch zu Hause behalten zu haben. Eigentlich sollte er sich an meinem regulären Home-Office-Tag erholen, aber das funktionierte heute eher weniger… Immerhin blieb er den Tag über fieberfrei und kann somit morgen wieder in die KiT… Naja, schön wärs.

Wenn er die Nummer in der Öffentlichkeit abzieht, werde ich mich einfach ganz überfordert neben ihn legen und auch schreien. Keine Ahnung, was man sonst machen kann.

Das liest sich vermutlich lustiger und harmloser als es war. Fakt ist, dass ich ihn, wäre Jott nicht gekommen, in sein Bett gelegt und die Tür geschlossen hätte, weil ich vom dauernden Geschrei und den fruchtlosen Beruhigungsversuchen fertig mit den Nerven war.

Ich hoffe, solche Ausbrüche kommen nur selten vor.

Dank neuer Arbeitsmodalitäten von Jott experimentieren wir etwas mit unserer Alltags-Organisation. Und zwar wird Jott an zwei Tagen die Woche die Kinder abholen. Dadurch kann ich länger im Büro sein und muss in Verbindung mit längeren Arbeitszeiten an den beiden Home-Office-Tagen im Idealfall Abends nicht mehr arbeiten. Das wäre toll, ich bin gespannt wie das wird.

Nochmal J-Content: Der hat heute eine erstklassige Slapstick-Einlage geliefert. Beim Herumprügeln auf dem Boden mit einer Spielzeugpfanne hat er nämlich etwas zu weit ausgeholt und sich selbst eins übergezogen. Beim anschließenden Trösten fiel es mir ein bisschen schwer, nicht loszuprusten…

Ein sehr sympathisches Interview mit @heibie über die Mediennutzung in seiner Familie.
Sehr gefreut auch über den Link zu seinem Beitrag App-Klassiker für Kinder, in dem auch für Kinder in Ms Alter Apps aufgeführt werden.

6 Antworten auf „Journal Freitag, 4.5.2018 – Hörnchen“

„Wenn er die Nummer in der Öffentlichkeit abzieht, werde ich mich einfach ganz überfordert neben ihn legen und auch schreien. Keine Ahnung, was man sonst machen kann.“

Schönes Kopfkino ;)

Vielleicht wäre das als Spiegel für J. zu Hause eine Option.
Ansonsten aus der Situation heraus gehen mit J., z.B. nach draußen, Treppenhaus hoch und runter etc., was eben gerade möglich ist.

Die Nerven, die Ihnen zu Drahtseilen trainiert werden, brauchen Sie spätestens in der Pubertät der Kinder.

Irgendwann wird J. Sie dann fragen:“Papa, wie war ich als Baby/ kleines Kind?“ Dann haben Sie mit dem nötigen Abstand eine schöne Geschichte für den Nachwuchs.

Gutes Gelingen!

Vielleicht wäre das als Spiegel für J. zu Hause eine Option.
Ansonsten aus der Situation heraus gehen mit J., z.B. nach draußen, Treppenhaus hoch und runter etc., was eben gerade möglich ist.

Es ist nichts möglich. Das ist das Problem. Er lässt sich nicht anfassen/ hochheben. Wenn wir ihn auf den Arm nehmen, windet er sich so stark, das ernsthaft Gefahr besteht, das er runterfällt.

Hallo Herr Paul,

ich habe zwar selbst noch keine Kinder, aber ich weiß aus zwei sicheren Quellen, dass ich als Baby ebenfalls sehr ausgiebige Trotz- und Heulanfälle hatte. Vorzugsweise dann, wenn ich Schlafen sollte. Beruhigen und einlullen war schier unmöglich und verschwendete Zeit. Meine Mutter legte mich am Ende ihres Geduldsfaden in mein Gitterbettchen und schloss die Tür. Ich schrie weiter und zwar so lange, dass Oma am nächsten Tag auch gleich bescheid wusste. Ich war nämlich heiser und brachte keinen Pieps mehr raus. Die Idee ist also gar nicht so abwegig ;)

Dafür war ich dann in der Pubertät pflegeleicht und bin nur für wenige graue Haare verantwortlich. Vielleicht wird das bei J ja genauso?

Viele Grüße
Andraya

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