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Journal Freitag, 3.2.2017

Wir hatten heute alle eine recht ruhige Nacht: Jott und ihre Mama berichteten, dass die Zwillinge im Abstand von vier Stunden kamen (hurra!), und ich durfte allein im Kinderzimmer schlafen (hurra!).

Nach so einer Nacht ohne Störungen sieht die Welt doch wieder ein klein wenig rosiger aus.

In einigen Kommentaren wurde gefragt, weshalb wir M. nicht zu Hause lassen/ uns eine KiTa oder Tagesmutter hier in der Gegend suchen, um uns die Fahrerei zu ersparen und nicht jeden Infekt aus der KiTa mitzunehmen.
Nun.

Weil wir keinen KiTa-Platz hier in der Gegend bekommen haben. Wir haben lange und intensiv gesucht, aber nur Absagen kassiert. Die Notlösung war die KiTa in Mitte in der Nähe meines Arbeitsplatzes (an die wir auch nur über Vitamin B kamen…), zu der wir ungefähr eine Stunde Anfahrtsweg benötigen (auch das ist Berlin: Wenn man, wie wir, am südöstlichen Stadtrand wohnt und in Mitte arbeitet, muss man lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen).

M. zu Hause zu lassen ist keine Option, denn Jott kann nicht drei Kinder adäquat betreuen. Momentan brauchen wir, um halbwegs klar zu kommen, für die Zwillinge eine 1:1-Betreuung, sobald dieser Schlüssel sich Zuungunsten der Erwachsenen verschiebt bricht Chaos aus.

Und falls die Frage nach dem „M. zu Hause lassen“ nur temporär gemeint war, d.h. solange ich krank geschrieben bin: Das wäre ggf. eine Option gewesen, allerdings waren wir darauf bedacht, dass M. schnellstmöglich zu seinem festen Tagesrhythmus zurückkehren kann. Und der sieht nun einmal so aus, dass wir morgens zusammen zur KiTa fahren, er den Tag dort verbringt und Abends wiederkommt.

Und zu den Krankheiten: Gerade ist Erkältungssaison, und er ist im ersten KiTa-Jahr. Klar, dass er dauernd erkältet ist. Wenn wir ihn erst mit zwei oder drei in die KiTa schicken würden, würde sich das Problem einfach nach hinten verlagern.

Das eigentliche Problem ist die Entfernung zu meinem Arbeitsplatz. Die zwei Stunden Pendeln am Tag sind ein unglaublicher Zeitverlust. Als wir noch keine Kinder hatten, war das nicht so wild, ich hab die Zeit zum Lesen oder Podcast-Hören genutzt. Aber inzwischen sind sie ein Fluch.

Wenn wir M. bei uns in der Gegend in die KiTa/ zu einer Tagesmutter schicken würden, müsste er dort höchstwahrscheinlich noch länger betreut werden als in der Mitte-KiTa. Zusätzlich zur normalen KiTa-Zeit käme noch die weitere Betreuungszeit während meiner Anfahrt hinzu. D.h. während ich ihn in der Mitte-KiTa gegen 8:30 Uhr abgeben und gegen 16:30 Uhr abholen kann, wäre er in einer Einrichtung bei uns in der Gegend von 7:30 Uhr bis 17:30 Uhr (vorausgesetzt, ich bringe und hole ihn weiterhin allein, was ja momentan und in der nächsten Zeit der Fall wäre).

Ideal wäre ein Umzug in die Nähe meines Arbeitsplatzes, aber dafür müssten wir eine bezahlbare 4-Zimmer-Wohnung im Innenstadtbereich finden (haha).

Wir werden dazu übergehen, die Zwillinge nur noch mit der Flasche zu ernähren. Das Stillen ist ein Stressfaktor für Jott, denn sie weiß nie wieviel die Zwillinge trinken und wann sie das nächste Mal kommen (bislang alle ~1,5 – ~2,5 Stunden). Mit der Flasche ist das recht gut planbar und die Pausen zwischen den Mahlzeiten sind größer (~3,5 – 4 Stunden).

Außerdem stellen wir die Ernährung von Pre-Milch auf die 1er-Milch um- die Pre-Milch scheint die Zwillinge nicht ausreichend zu sättigen, denn nach den empfohlenen Portionen schliefen sie nie wirklich ein, sondern nölten und meckerten rum. Offenbar aus Hunger, denn mit der 1er-Milch haben wir dieses Problem nicht.

Heute war zum ersten Mal jemand gegen Geld zum Putzen hier. Keine Krankenkassen-Haushaltshilfe, sondern ein Putzmann, den wir privat bezahlen. Der war sein Geld wert, innerhalb von drei Stunden blitzte und blinkte die Wohnung.
Wir haben mit ihm vereinbart, dass er wöchentlich kommt.

Das tolle ist: Er macht das auf Rechnung, d.h. wir können das sogar noch von der Steuer absetzen.

Wir sind uns inzwischen recht sicher, was für ein Auto wir gern haben möchten: Einen Ford Galaxy. Der sollte unseren Platzansprüchen mit drei Kindern und dem dazugehörigen Gepäck entsprechen. Erste Eindrücke sahen jedenfalls danach aus.

Beim Einkaufen im Forum (ich trug J. in der Fräulein Hübsch) sprach mich eine ältere Frau an und warnte mich, dass es grundfalsch sei was ich da mache. Die Knochen der Babys seien ja das erste Jahr über noch soooo weich und sie zu tragen, nein, das könne man nicht machen, das sei quasi eine Vergewaltigung und Misshandlung (sic!) der Babys. Leider halfen weder „Das Gespräch ist jetzt beendet, tschüss!“ noch ein sehr deutlich vorgebrachtes „Lassen Sie mich jetzt bitte in Ruhe“, sie wurde immer energischer. Da half nur weggehen und die alte Hexe stehen lassen.

Leute gibts.


Der Zwillings-Effekt. Hallo an die 100% mehr Menschen, die diese Seite seit Dezember 2016 aufrufen.

Was schön war: Knutschen mit Jott. Die Zwillinge schliefen am Abend 15!!! Minuten gleichzeitig, der Haushalt war erledigt, da konnten wir gucken ob wir das noch hinkriegen (ja).

8 Antworten auf „Journal Freitag, 3.2.2017“

Das liest sich ja schon mal etwas besser, Glückwunsch!
Kita in der Nähe lohnt sich mittelfristig wahrscheinlich schon. Irgendwann kann Jott den Großen bringen oder holen, und die Zwillinge brauchen ja auch irgendwann einen Platz… Ganz abgesehen von den Verabredungen, die so in 1,5 Jahren auch bei den Kindern losgehen, und den spätestens daraus entstehenden sehr hilfreichen Netzwerken mit den Eltern. Aber was schreib ich hier, das wisst ihr alles, ihr seid ja nicht von gestern!
Dann bleibt „nur“ noch als Alternative: Job näher dran suchen. Bestimmt ganz leicht :-)
Und bis dahin Kopf über Wasser halten und weiterstrampeln. Die ersten Schwimmzüge sind absehbar.

Jo, so hatten wir das auch ungefähr im Gespräch (einer bringt, einer holt). Ist halt noch nicht realisierbar, aber es wird höchstwahrscheinlich darauf hinaus laufen.

Einen passenden Job in ~30 Minuten Umkreis finden ist da schon schwieriger… Die meisten Agenturen etc. sitzen tatsächlich in Mitte/ den hipperen Stadtteilen, und die sind zumeist weiter als 30 Minuten entfernt. Sobald Luft ist, muss ich mich mal umgucken.

Hallo Paul,
ich bin eine der 100% mehr, die seit der Geburt der Zwillinge Dein Blog lesen.
Es ist ganz schön tough, – nicht nur Zwillinge, sondern noch einen eineinhalbjährigen Bruder.
Habt Ihr nicht erwogen, dass Du nach der Geburt der Zwillinge Elternzeit nimmst? Beantragen könntest Du ja noch Elternzeit, aber die beginnt dann erst in 8 Wochen.
Ich drück Euch die Daumen, dass Ihr Schritt für Schritt wieder zu Kräften kommt und zu einer Normalität findet.
Liebe Grüße aus dem Süden der Republik
Julia

Hej Julia, herzlich willkommen! Eigentlich war geplant, dass ich im Januar und Februar 2018 in Elternzeit gehe. Jott wird zu diesem Zeitpunkt in die Erwerbsarbeit- höchstwahrscheinlich einen neuen Job- zurückkehren, und da wollte/ sollte ich ihr den Rücken freihalten, damit sie gut durchstarten kann.

Hallo Paul, ich kann Eure Planung der Elternzeit verstehen. Andererseits ist es ja auch aktuell sehr wichtig, dass Ihr nicht völlig erschöpft und am Rand seid. Wir haben zwei kleine Buben in ähnlichem Abstand wie M. und J.+G. Nach der Geburt vom Kleinen haben wir zusammen Elternzeit genommen, sogar kurzfristig ungeplant und drei gemeinsame Monate daraus gemacht. Das war, sagen wir, „die beste Investition in die Familie“. Ich hätte mir es nicht vorstellen mögen, wie es gewesen wäre ohne diese gut besetzte Zeit zu Hause. Wie es dann wird, wenn ich wieder arbeite, sehen wir dann. Erstmal war uns das gute Ankommen in der neuen Situation wichtig.
Euch weiterhin alles Gute und viel Kraft, Geduld und Ausdauer! Julia

Hmm.. Wäre eine Tagesmutter / ein Tagesvater generell zu bekommen? Jemand, der vielleicht noch kein Kind betreut und und den Arbeitsplatz zu euch verlegen würde? Oder würde es vielleicht vom Platz her gehen, dass ihr ein Au-Pair nehmt?..

Weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen, ihr schafft das!


In Daueralarmbereitschaft

Ganz besonders arg trifft der „Entspann dich mal“-Tipp die Eltern eines Babys mit besonders hohen Bedürfnissen, auch „Schreibaby“ genannt. Dieser Begriff ist nicht besonders glücklich gewählt, weil er das Baby so sehr nur auf sein Schreiverhalten reduziert, hat sich aber umgangsprachlich etabliert. Aber ob nun „Schreikind“, „High Needs Baby“ oder „untröstlich weinendes Baby“- es wird schnell klar, dass diese Kinder ihre Eltern besonders herausfordern. Doch auch wenn die Gesamtsituation sehr angespannnt und anstrengend ist, gehören diese Eltern wahrscheinlich sogar eher zur entspannteren Sorte, da Kinder, die besonders viel brauchen, meist in den Armen von Eltern landen, die besonders viel geben und aushalten können. Es sind nicht selten sehr starke Eltern, auch wenn sich das phasenweise für sie selbst ganz anders anfühlt.“

(http://www.vonguteneltern.de/?p=3634 Der Artikel passt nicht ganz genau, der Abschnitt dafür umso mehr)

Hallo & herzlich willkommen Katharina! Für ein Au Pair haben wir leider keinen Platz, bei drei voll belegten Zimmern bekommen wir keines frei geräumt.
Tages-Eltern sieht derzeit auch schwer bis unmöglich aus. Alles voll.

Der VGE-Artikel ist insgesamt ganz gut, danke fürs Teilen. Aber an „da Kinder, die besonders viel brauchen, meist in den Armen von Eltern landen, die besonders viel geben und aushalten können“ störe ich mich ziemlich… Ich würd mich jetzt eher nicht als jemanden sehen, der besonders viel geben und aushalten kann- andernfalls wären wir ja nicht fix und alle.

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