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Journal Dienstag, 10.11.2015

Wie wichtig sind Arbeitszeugnisse wohl bei Neu-Bewerbungen? Einer meiner früheren Arbeitgeber strukturiert zum Ende des Jahres gewaltig um (so mit Übernahme und ausscheidenden bisherigen Geschäftsführern), und als ich heute beim Mittagessen davon hörte wurde mir schlagartig bewusst dass ich immer noch ein Arbeitszeugnis von dieser Firma benötige. Die Tätigkeit liegt zwar schon zwei Jahre zurück und ich wurde auch noch nie nach Zeugnissen gefragt, aber vielleicht braucht man sowas ja? Ich bin jedenfalls unsicher, ob es angebracht ist gerade in Aktionismus zu verfallen. Um das ganze nämlich noch bis Ende des Jahres über die Bühne zu bringen, müsste ich das Zeugnis selbst schreiben und den drei zuständigen Personen mailen.

Besagtes Mittagessen fand heute mit zwei lange nicht gesehenen ehemaligen guten Bekannten statt. War schön, die beiden wiederzusehen. Eine von beiden erwartet in drei Wochen ihr erstes Kind und ich freue mich zum einen über den Umstand an sich und zum anderen darüber, dass endlich jemand im Bekanntenkreis nachzieht. Der Kontakt zu Nicht-Eltern-Bekannten ist etwas schwierig, weil ich inzwischen ganz gern über etwas anderes als Essen gehen, Essen kaufen und lange Urlaube sprechen möchten.

Der Heimweg gestaltete sich etwas zäh: Zwischen Ostbahnhof und Lichtenberg fand auf Grund eines Notarzt- und Feuerwehreinsatzes kein Zugverkehr statt, was mich dazu zwang dieses eigentlich nur fünf bis zehn Minuten dauernde Wegstück mit dem Bus zu umfahren. Und dieser Bus war erstens gerammelt voll, unglaublich warm, stand ewig im Stau und fuhr eben seine normale Busroute. Im Endeffekt verlängerte sich die abendliche Fahrzeit um eine halbe Stunde auf 90 Minuten, was mich ziemlich schlauchte. Beim nächsten Mal nehme ich einfach ein Taxi, die gewonnene Lebenszeit und der ersparte Stress sind die höheren Beförderungskosten mit Sicherheit wert.

Herr Schnuffke bekommt eine Scheuerglatze :( Das schöne weiche Babyhaar wird weggeschubbert. Hoffentlich geht das schnell vorbei, er sieht gerade aus wie ein alter Mann mit comb over. Es wird also Zeit, dass er Krabbeln lernt und den Kopf hochhält.

Sehr amüsiert (im positiven Sinne) über den super sexy boy Edgar.

Nicht so amüsiert über diesen Tweet. Der schlägt ja in die Kerbe, wie toll Berlin doch ist und wie gut man hier feiern kann und so weiter und so fort. Ich verstehe diese Begeisterung nie, sie geht komplett an meiner Lebensrealität vorbei. Mit 40-Stunden-Job und Wegezeit und Haushaltskram und den Verpflichtungen eines normalen Erwachsenen bleibt schlicht kaum Zeit für große Feierei. Glaube ich. Aber vermutlich ist es eh müßig, sich als alter Spießer vom Stadtrand darüber zu ereifern, höchstwahrscheinlich muss man das Leben anders angehen um diese Vorzüge zu verstehen und zu genießen.

11 Antworten auf „Journal Dienstag, 10.11.2015“

Ich lese hier seit einigen Wochen leise mit und freue mich über jeden Post, bitte weiter so :-).

Zu dem Thema „Zeugnis“: Ich arbeite bei einem Großkonzern. Zeugnisse von Bewerbern überfliege ich höchstens, wohl wissend, dass ich anhand des Zeugnisses nur ansatzweise erfahren werde, wie der Bewerber arbeitet. Viel entscheidender ist das persönliche Gespräch. Ich würde trotzdem auf Vollständigkeit der Zeugnisse achten, insbesondere bei Arbeitgeberwechsel, und den Aufwand so gering wie möglich halten. Sich dem mühevollen Prozess des Zeugnisse-Eintreibens zu stellen zeugt auch von Hartnäckigkeit ;-).

Vielleicht hilft es, die Personalabteilung um Unterstützung zu bitten, mindestens für’s Unterschriften einholen. Mit denen würde ich auch nochmal das Prozedere verproben, „selber schreiben“ hört sich für mich doch sehr dürftig an. Es sollte eigentlich reichen, wenn der Zeugnisempfänger stichpunktartig seine Tätigkeiten zusammenfasst, die Beurteilung sollte der Vorgesetzte schreiben. Wenn die das tatsächlich ernst meinen, würde ich mir frech ein 1A-Zeugnis zusammentippen und absegnen lassen :-).

Good luck und viele Grüsse aus dem spießigen Wilmersdorf ;-)

Als Fernab-von-Berlin-Wohnende ist der Berlin-Hype schwierig zu verstehen – und er ärgert mich auch manchmal. Überhaupt die Überhöhung von Berlin und Hamburg. Schade, dass viele Aktionen und Events nur noch dort stattfinden.

Mögen die nicht Eltern-Bekannten denn nicht über Kinder sprechen? Ich finde es (auch als Nicht-Elter) eher komisch, mit Freunden/Bekannten nicht über ihre Kinder zu sprechen, auch über die Banalitäten. Denn ich interessiere mich ja für den Menschen und sein Leben. Da ist es mir auch nicht langweilig, über Kinderdinge zu sprechen – im Gegenteil: Es ist ja das, was meine Freunde beschäftigt.

Bei uns ist es ähnlich wie bei der lieben Nessy – seitdem unsere Freunde Kinder haben, ist auch bei uns als Nicht-Eltern das Alltägliche des Elternseins und Kinderhabens zu einem wichtigen Gesprächsthema geworden. Zumal wir ja eins der Kinder von Geburt an einmal die Woche sehen und es quasi als unser Leihkind betrachten. Da will man eh wissen, wie’s ihm denn so geht! ;)

Es hilft natürlich auch, dass wir es auch ohne Kinder aber mit besagten 40h Jobs (und zwei aktiven Promotionen…) und Alltag und sonstigen Hobbies und und und auch nicht groß schaffen noch feiern zu gehen. Haben wir aber vorher auch nicht soooo viel gemacht… Aber Berlin finde ich trotzdem eine schöne Stadt und freue mich drauf, Ende nächster Woche mal wieder für ein paar Tage da zu sein.

Hallo Herrpaul, da wir im selben Stadtbezirk leben, also auch ich Randberlinerin bin, ist auch mir diese Berlinhyp völlig schleierhaft. Ist ja so, fahre ich mal Richtung Alex oder Kudamm fahre ich ja ‚in die Stadt‘.
Wir haben auch Freunde mit Kinder und finden es immer spannend von den großen und kleine Alltäglichkeiten zu hören und waren so z.B. diesen Sommer zu einem 18. Geburtstag geladen. Denn jungen Mann kennen wir seitdem er ca 1 Jahr alt ist.

Zeugnis bitte unbedingt anfordern. Klar gibt es viele Unternehmen, denen ist es egal. Aber es gibt auch viele, denen ist es nicht egal. Warum sollen Sie sich möglicherweise irgendwas verbauen weil jemand anders seinen Job nicht gemacht hat? Dazu besteht ja kein Grund.

Einen Anspruch haben Sie, wenn ich es richtig im Kopf habe, bis zum Ablauf des dritten Kalenderjahres nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Hallo Herr Randberliner! Also zum einen würde ich mir das Zeugnis noch holen – vorschreiben und unterschreiben lassen – dann hast Du es und gut ist. Auch wenn niiiie niiiie niiiiie ggf. einer danach fragt. Und zu Berlin: bevor ich meinen Job jetzt mal für eine kleine Pause beendet habe, war ich u.a. verantwortlich für Personal und habe zig Bewerbungsgespräche mit möglichen Praktikanten und Assistenten geführt…und jeder, wirklich jeder wollte nach Berlin… Mir war das schon teilweise etwas zuviel, weil es aber schlichtweg einfach daran liegt, daß ich hier groß geworden bin und gestehen muss, daß der einfache Tourist mir meine eigene Stadt manchmal komplett neu vor die Augen führen kann. Möchte ich wissen, wo es eine nette Bar gibt oder einen coolen Laden, frage ich mittlerweile die Hergezogenen und Touristen – krass oder? Nun gut, als Mutter mit zwei Kids und bis vor kurzem auch in 40-60h Wochen feststeckend bleibt für manche Erkundungen nicht mehr viel Zeit. ABER so oder so – ich liebe diese Stadt über alles, auch wenn mir der Hype und die entsprechenden Folgen (kaum Milieuschutz, horrende Mieten für Familien, volle Kitas & Schulen etc. etc. etc – anderes Thema) etwas auf die Nüsse gehen bzw. mir manchmal Angst machen – was daran liegt, daß die lokale Politik hier teilweise gravierende Fehlentscheidungen trifft….
Ach so – wir wohnen im übrigen 200m vom Berghain entfernt. Ungefähr eine Ahnung, was wir immer alles hören? Und zu welcher Uhrzeit? H e r r l i c h. In diesem Sinne – nachbarschaftliche Grüsse aus dem F-Hain!

Entschuldigen Sie die späten Antworten, es war die letzten Tage etwas stressiger…

Da die Meinung so eindeutig zu „Zeugnis besorgen“ tendiert, werde ich das machen. Danke Ihnen allen!

@Ulrike: Hach, so ein Feedback überrascht und freut mich sehr :) Ich hätte nie gedacht, dass es Menschen gibt die das, was ich erlebe- oder eben nicht erlebe- lesen würden.

Besagtes Unternehmen hat keine Personalabteilung. Es ist eine kleine, chaotische Firma wo so etwas sehr gern verschlampt wird ;) Deswegen rechne ich mir die größten Chancen auf Erfolg aus, wenn ich das Zeugnis tatsächlich selbst schreibe, dadurch den Aufwand für die Chefs minimiere und lediglich um eine Unterschrift bitten muss.

Grüße zurück nach Westberlin ;)

@Die liebe Nessy: Die Bereitschaft, über Kinder zu reden, ist da sehr gering ausgeprägt. Bei genauerer Überlegung, zu der Sie mich angeregt haben, scheint es allerdings eher so zu sein, dass die Bereitschaft, generell über andere Themen zu reden, sehr schwach ausgeprägt ist. Es wurde teils auch schon offen bemängelt, dass ich ja nur noch über das Kind spreche- was vermutlich wahr ist, aber eben dem Umstand entspringt dass es derzeit das vorherrschende Thema in meinen Gedanken ist.

Ist das mit den Events denn so? Ich habe da keinen Überblick, bzw. freue ich mich natürlich wenn Jott und ich mal etwas unternehmen und es relativ einfach zu erreichen ist… Wir sind allerdings nicht auf irgendwas spezielles, großes fixiert, sondern besuchten bislang Veranstaltungen, die auch in vielen anderen Städten stattfanden.

@Frau Em: Das bestätigt mich, danke. Ich ging auch davon aus, dass so ein allgemeines Interesse am Leben von Freunden/ Bekannten besteht. Denn das zeige ich ja auch. Aber wenn offen Desinteresse gezeigt wird, dann stimmt wohl auf einer andere Ebene etwas nicht.
Sind Sie einmal pro Woche Babysitter für das Kind Ihrer Freunde?

Zum anderen: Neben dem Beruf promovieren? Wow. Ich bewundere seit längerem Menschen, die es überhaupt schaffen neben einer Vollzeitstelle noch die Nerven für andere Dinge, die Nach- und Mitdenken erfordern, aufzubringen…
Ihr Berlin-Bild wird vermutlich nicht vom Alltags-Nerv getrübt, der sich nach einiger Zeit unweigerlich einstellt.

@Frau Irgendwas-ist-immer: Genau das. Ich komme ursprünglich aus dem östlichen Speckgürtel, und das „in die Stadt fahren“ hat sich für mich im Endeffekt nicht geändert

Da haben Sie ja scheinbar die Freundschaft von den Eltern auf das Kind übertragen- das klingt total toll :) Ich hoffe, dass gelingt uns so bei unseren Bekannten/ Freunden auch.

@Novemberregen: Aye, Ma’am! Dann sollte ich mich aber tatsächlich ranhalten, Mitte 2016 wäre diese Frist vorbei…

@Frau M. vom ZehntenStockLinks: Ach je. So nah am Berghain? Ich hoffe, Ihre Fenster sind gut schallisoliert :) Was die Lage innerhalb der Stadt betrifft, würde ich trotzdem jederzeit mit Ihnen tauschen- was ich da an Fahrzeit sparen würde…
Uns geht es übrigens genauso, was die Läden/ Restaurants/ Bars betrifft. Nur das wir entsprechende Blogs/ Instagram- und Twitter-Accounts konsultieren bzw. Ihnen folgen.
Wie haben Sie das mit den 60 Stunden gehändelt? Das ist ja der Wahnsinn.
Grüße zurück aus Köpenick ^.^

Als wöchentliches Babysitten würde ich es nur indirekt bezeichnen. Wir treffen uns wöchentlich zu einem gemeinsamen Abend, der dann in etwa so abläuft: gemeinsames Abendessen (zu fünft), danach verziehen sich die Eltern ein bisschen (um übrige Arbeit zu erledigen, was im Haushalt zu machen, einfach mal ne Runde Zweisamkeit ohne Kind zu genießen, etc.) und wir bespaßen das Kind für eine Weile (meist 1-2 Stunden, je nach Müdigkeitsgrad des Kindes). Danach bringt ein Elternteil das Kind ins Bett und wir vier Großen verbringen noch einige weitere Stunden zusammen, bevor mein Mann und ich wieder heimfahren.

Wir sind schon auch die bevorzugten Babysitter, eben weil das Kind so ein großes Vertrauen und eine starke Beziehung zu uns hat und die Großeltern auch nicht in der Nähe wohnen. Er schläft z.B. recht problemlos ein, wenn wir ohne seine Eltern da sind, geht mit uns raus oder auf den Spielplatz, lässt sich von uns trösten, wenn er sich wehgetan hat, usw. Dieses wöchentliche Treffen mit unseren Freunden (sprich: den Eltern) fing halt schon vor seiner Geburt an und als er dann da war boten wir an eine Weile auszusetzen, aber das wollten die Eltern nicht. Also brachten wir die ersten Wochen vorgekochtes Essen mit und lernten den Kleinen mit 6 Tagen kennen. Am Anfang haben die Eltern auch einfach mal ne Runde gepennt wenn wir da waren und der Kleine wurde von einem von uns durch die Wohnung getragen. War für alle erwachsenen Beteiligten schön und den Kleinen schien es auch nicht zu stören. Das einzige was sich geändert hat: früher wechselten wir ab, wer zu wem fuhr, mittlerweile fahren wir immer zu ihnen, weil es mit dem Kind einfach leichter ist. Dafür werden wir dann aber auch wöchentlich lecker bekocht :)

Zum anderen: Job und Promotion sind nicht völlig voneinander entkoppelt, das hilft. Ansonsten…an manchen Tagen klappt’s besser als an anderen und nur die Zeit wird zeigen, ob’s am Ende so richtig war. Aber ich denke schon, bisher ist es insgesamt eine recht positive Erfahrung. Ich bin aber auch eine die promoviert, weil sie promovieren möchte, und nicht wie manch andere, weil sie nicht weiß, was sie stattdessen nach abgeschlossenem Studium machen soll ;)

Das klingt total schön und lässt mich wünschen, auch so eine Freundschaft zu haben (Verzeihung, dass ich so wenig dazu sagen kann, aber das ist tatsächlich das was mir gerade in den Sinn kam).

Was promovieren Sie denn so, und wie läuft das ab? Ich habe keine Ahnung von dieser Welt.
Das „an manchen Tagen klappts, an manchen nicht so“ kommt mir dann allerdings wieder recht bekannt vor.

Ja, ist sehr schön und wir sind auch sehr dankbar für diese schöne Freundschaft :)

Die Promotion ist „was mit Nachhaltigkeit“. (Klingt furchtbar allgemein, aber ich fürchte wenn ich es genauer beschreibe könnte ich auch gleich mit Klarnamen schreiben. Nix gegen Sie persönlich, aber so öffentlich für alle Welt…hm, ich bin da immer noch etwas vorsichtig.) Ansonsten ist die Promotion auch im Interesse meines Arbeitgebers, entsprechend arbeite ich offiziell eigentlich teilzeit (im Sinne der Arbeitszeit, die ich dem AG schulde und dem Gehalt, das ich beziehe), aber de facto vollzeit, denn der Rest der Zeit (und mehr) bin ich auch noch da, aber arbeite halt an der Promotion.

Wie sie mögen- es muss ja nicht jeder so ausschweifend von sich erzählen wie ich :)

Ist die Frage nach der Art der Nachhaltigkeit erlaubt? Geht es um Umweltschutz, Wirtschaft, Personalmanagement…?

Prinzipiell klingt der Deal okay- wenn sich denn das „und mehr“ in Grenzen hält und Sie tatsächlich Zeit für Ihre Promotion haben :) Experimentieren Sie dann in einem Labor herum, wälzen Sie Fachbücher oder wie muss ich mir diese Arbeit vorstellen?

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