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Journal Dienstag, 22.9.2015

Scheinbar bekommt das Kind Zähne und hat sich auf Grund einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte während dieses Ereignisses eine Erkältung eingefangen. Die untere Kauleiste ist rot, heiß und hart und das ist wohl das untrügliche Anzeichen für baldiges Zahnen. So zumindest die Kinderärztin beim heutigen Besuch. Während Jott bei dem Gedanken zittert- unser Kind wird gestillt, was passiert wenn kleine, scharfe Kinderzähne auf sensible Brustwarzen treffen kann sich wohl jeder vorstellen-, freue ich mich: Das ist ein erster Schritt in Richtung „mit den Eltern essen“, was über kurz oder lang dazu führen wird dass ich ebenfalls beim Füttern des Kindes mithelfen kann.

Beim Mirabellen-Kaufen auf der Einkaufstour eine unangehme Situation: Der Obstverkäufer unterhielt sich mit seiner Kollegin über „die scheiß Flüchtlinge“ und dass die Regierung „das eigene Volk verhungern lässt“ (so sinngemäß). Für mehr als ein „So verhungert wirken sie aber nicht“ und einer kurzen Empfehlung, vielleicht dochmal etwas Empathie zu zeigen für Menschen die vor Mord und Totschlag flüchten, hats bei mir leider nicht gereicht. Ich bin auf solche Situationen furchtbar unvorbereitet- nach dem Lesen von unzähligen Artikeln zur Flüchtlingskrise kenne ich zwar die Vorurteile und auch einige Fakten, weiß aber nicht so wirklich wie ich diese im Gespräch anbringen soll. Vor allem wenn die Person auf der Gegenseite so unglaublich dumme Dinge sagt.

Die richtige Reaktion wäre vermutlich gewesen, den Kauf abzubrechen. Aber was hätte das schon gebracht.

Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich die momentane positive Berichterstattung der Medien für sehr lobenswert halte, aber nicht an deren Erfolg glaube: Menschen wie der Mirabellenverkäufer wollen überhaupt nicht Argumente austauschen und vielleicht etwas dazu lernen. Denen ist es auch völlig egal, ob sie Recht oder Unrecht haben. Es geht einfach nur darum, ein Feindbild zu haben, jemand Schwächeres, auf den man mit Verachtung und Missgunst und Hass herabblicken kann. Nur dann kann man sich nämlich einreden, etwas besseres zu sein, und kann von der Angst ablenken, die man eigentlich hat.

Ganz anderes Thema: „Warum ein 6-Stunden-Arbeitstag perfekt ist“ gelesen und darin viele eigene Gedanken wiedergefunden. Ich frag mich sowieso, weshalb so viele Menschen die 40-Stunden-Woche für alternativlos halten und sang- und klanglos hinnehmen, wenn doch eigentlich klar ist dass es genügend Alternativen gibt, die eben nur mal durchdacht und ausprobiert werden müssten. Sobald es bei uns irgendwie machbar ist, werde ich meine Arbeitszeit reduzieren, und nach Möglichkeit auf besagte 30 Stunden die Woche.

4 Antworten auf „Journal Dienstag, 22.9.2015“

Dann zieht Herr Schnuffke mit Zähnen, aber ohne Frau Mutter und Herrn Vater, also demnächst in die eigene Wohnung ….

Ich hoffe doch nicht! Es geht jetzt schon alles so schnell, da darf auf eine weitere Beschleunigung verzichtet werden.

Mit solchen Obstverkäufer-Situationen fühle ich mich auch immer überfordert. Ich glaube Kaufabbruch bringt auch nur was, wenn man regelmäßiger Kunde ist und genau erklärt, warum man ab jetzt zur Konkurrenz gehen wird.

Aber den 6-Stunden-Tag, den fänd ich auch toll. Ich weiß von mir, dass die wenigsten 40 Stunden-Wochen wirklich komplett produktiv sind. 30 Stunden aber glaub ich schon…

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