Nach einer eher unruhigen Nacht beschloss das Kind um 6:40 Uhr, nach dem Stillen nicht mehr schlafen zu wollen. Aaaargh. Heldenhaft ließ ich Jott wieder einschlafen, schnappte mir also Herrn Schnuffke, machte erst ihn und dann mich halbwegs flott, spielte noch ein halbes Stündchen mit ihm und ging dann Frühstücksbrötchen holen. Unterwegs begegnete uns Partyvolk, dass dem Aussehen nach nach einer durchgefeierten Nacht auf dem Weg nach Hause war. Das war merkwürdig- jeder beäugte den anderen neugierig.
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Wieder zurück vom Bäcker fing das Kind an zu quengeln, ließ sich partout nicht beruhigen und machte das Schnäbelchen-Gesicht. Eine bessere Beschreibung fällt mir dafür nicht ein, zu sehr erinnert es an ein Vogelküken. Also ins Schlafzimmer gestiefelt, Jott das Kind übergeben, selbst ebenfalls gefrühstück und anschließend wieder ins Schlafzimmer und das Kind abgeholt, damit die Frau noch etwas schlafen kann.
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Den restlichen Vormittag mit Herrn Schnuffke gespielt, viel auf dem Boden herumgekrabbelt, merkwürdige Geräusche gemacht und Unterricht im Robben gegeben. Scheinbar befindet sich das Kind derzeit mitten in einer Wachstumsphase (laut dem Oh je, ich wachse-Buch ist es der vierte Schub), was die wechselnden Launen und das häufige Verlangen nach der Brust erklärt.
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Gegen Mittag packten wir uns und das Kind dick ein und brachen zu einem Spaziergang auf. Jott hatte die Tage gesehen, dass in der etwas weiteren Nachbarschaft in sehr schöner Lage Altbauten saniert und verkauft werden, dass wollten wir uns angucken. Haben wir dann auch, und wie es der Zufall wollte kamen wir sogar dazu eine 3-Zimmer-Musterwohnung zu besichtigen. Die war auch schön, aber preislich jenseits von Gut und Böse. 3000 Euro pro Quadratmeter sind ’ne Stange Geld, und ich bin etwas skeptisch ob eine Wohnung von ungefähr 100 Quadratmeter für eine mehrköpfige Familie tatsächlichb ausreicht- bei einem Kind solls ja eigentlich nicht bleiben. Zwar ließe sich an der Zimmeranzahl durch das Versetzen von Trennwänden noch etwas drehen, aber so ganz wohl ist mir dabei nicht. Abgesehen davon erfüllt mich die Vorstellung, 30 Jahre lang einen Kredit abzubezahlen mit Unbehagen. In dieser Zeit kann so viel passieren… Und zusätzlich bekommt man für 300.000 Euro etwas weiter draußen in Brandenburg ein Haus mit Garten. Und ewig zur Arbeit fahren müsste man von da auch.
Das Thema ist kompliziert, Sie merken schon.
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Auf dem Rückweg war die Geduld des Kindes erschöpft. Hatte es bei der Wohnungsbesichtigung noch geschlafen, wurde es auf dem Weg nach Hause zusehends unleidlicher und ließ sich die letzten 300 Meter nur noch durch Tragen besänftigen. Immerhin schlief es nach dem Stillen etwas länger (Yeah! Wir haben das Kind tatsächlich müde gespielt!) und ließ Jott und mir Zeit, um in Ruhe Mittag zu essen und etwas zu verschnaufen.
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Den restlichen Tag verfaultiert: Mit dem Kind gespielt, ein wenig aufgeräumt, am Computer Sachen gemacht, etwas gelernt, das Kind gebadet und am Abend die Gotham-Folgen der letzten beiden Wochen nachgeholt.
Großer Vorteil im Home Office: Immer wenn die Laune arbeitsbedingt schwankt, kann ich aufstehen, zum Kind gehen, fünf Minuten mit ihm spielen und anschließend mit deutlich besserer Laune wieder an den Schreibtisch gehen. Das war heute sehr, sehr oft notwendig. Es stört mich ungemein, schlechte Arbeit abliefern zu müssen und die Rahmenbedingungen, die dies erfordern, nicht ändern zu können. „Das ist halt so“ ist keine akzeptable Einstellung in diesem Kontext, umso mehr schmerzt es wenn genau dies gelebt wird.