[WMDEDGT heißt „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ und ist so ’ne Tagebuch-Blog-Aktion. Mehr Infos und Beteiligte gibts bei Frau Brüllen.]
Was für ein Tag… Aber fangen wir mal von vorne an.
Kurz nach Mitternacht mache ich es mir im Wohnzimmer bequem. Nicht etwa, weil Herr Schnuffke wach geworden ist, nein. Stattdessen kann ich nicht schlafen, weil Jott alle drei Minuten hustet. Und das, seitdem wir ins Bett gegangen sind- also kurz vor 23 Uhr.
Im Wohnzimmer ist es ruhiger, ich schlafe ein… und werde halb Drei von Herrn Schnuffke geweckt, der in seinem Bett sitzt und weint. Nachdem ich- reichlich desorientiert und nur zu einem Viertel wach- ihn zu mir geholt habe, hat er Probleme beim Einschlafen und möchte sich am liebsten in an unter auf mir verkriechen. So kann keiner von uns schlafen. Zum Glück hört diese Phase heute Nacht recht fix auf, gegen drei Uhr sind wir beide wieder eingeschlafen.
Eine erholsame Nacht ist aber anders, und als der Wecker halb Sechs klingelt, fühle ich mich ziemlich gerädert. Die nicht richtig heiß werdende Dusche tut das ihrige, um den Morgen perfekt starten zu lassen.
Danach kommt ein kleiner Lichtblick: Während Jott ebenfalls duscht- sie muss heute auch früh das Haus verlassen, weil sie zur Geburtsplanung nach Tempelhof muss-, wecke ich ganz langsam und vorsichtig Herrn Schnuffke: Mit Kitzelnn, anprustern, ins Ohr flüstern. Das findet er lustig und schlägt irgendwann lachend die Augen auf.
Nach einem schnellen Frühstück laufen Herr Schnuffke und ich gegen Viertel Acht zum Bahnhof Köpenick, von wo der Schienenersatzverkehr startet. Der Bus füllt sich recht fix, wir bekommen trotzdem noch unseren Wunschplatz in der Busmitte, wo die Kinderwägen und Rollstuhlfahrer einen reservierten Bereich haben.
Tjo, und dann beginnt das Drama. Offenbar sind nämlich 90% der S3-Pendler aufs Auto umgestiegen, der Bus kommt nicht vorwärts. Nach 40 Minuten haben wir gerade mal bis Karlshorst geschafft- das ist die Hälfte der Strecke. Zum Glück ist Herr Schnuffke entspannt, wir spielen, gucken Bücher an, schneiden Grimassen und irgendwann döst er auch ein bisschen.
Der Bus kommt nach Karlshorst noch schlechter voran. Die Rummelsburger Landstraße/ Köpenicker Chausee- eine der Haupteinfallstraßen von Köpenick nach Mitte- ist wegen diverser Bauarbeiten zum Großteil nur einspurig befahrbar, und zusätzlich sind eben mehr Autos als sonst auf der Straße. Auf Höhe des Heizkraftwerkes Klingenberg- bis Ostkreuz fehlt noch ungefähr ein Drittel des Weges- bietet der Busfahrer resigniert an, die Türen zu öffnen um mutigen Passagieren die Chance zu geben, zu Fuß ihr Glück zu versuchen. Ich zögere nicht und verlasse den Bus, Herr Schnuffke kommt auch mit (er hat auch keine Wahl, ich trage den Buggy). Die zweieinhalb Kilometer bis Ostkreuz schaffen wir in gut 20 Minuten, auf dem Weg überholen wir zu Fuß (!) mehrere SEV-Busse und unzählige Autos.
Vom Ostkreuz aus geht es dank fahrender Stadtbahn zügig weiter zur Friedrichstraße. Halb Zehn marschiert Herr Schnuffke mit seiner Brotdose in der Hand in seinen Gruppenraum in der KiTa, ich laufe danach fix ins Büro und komme dreiviertel Zehn an. Der KiTa- und Arbeitsweg hat sich also von ungefähr anderthalb Stunden auf locker zweieinhalb Stunden vermehrt. Das schlaucht.
Im Büro nehme ich pünktlich 10 Uhr am täglichen Statusmeeting meines Teams teil, danach frühstücke ich beim Prüfen von Mails und Chats. Endlich was in den Magen! Endlich Kaffee! Zwischendurch teste ich mein neues Headset und bin zufrieden: Es sitzt halbwegs gut, die Klangqualität ist okay, von daher passt das.
Dreiviertel Elf ruft mich Jott an und erzählt von ihrem Geburtsplanungstermin im Krankenhaus. Danach weiß ich mehr und freue mich.
Bis ~14:15 Uhr erledige ich organisatorisches, hole meine Zeiterfassung für den November nach (zum Glück muss ich nur die erfassten Zeiten von einem Tool ins andere eintragen, selbst das ist schon eine Herausforderung… Ich will gar nicht dran denken, was wäre wenn ich keine Zeiten erfasst hätte und das reproduzieren müsste), dann ist Mittagessen angesagt. Nach der Pause helfe ich einem Kollegen beim Lösen eines Darstellungsfehlers auf einer Website- bzw. sage ich ihm, was meiner Meinung nach das Problem verursachen könnte, und er gibt daraufhin einem Ansprechpartner beim Kunden Feedback (es ist kompliziert). Danach bereite ich bis zum Feierabend vom Kunden eingestellte Tickets in unserem Ticketerfassungssystem auf, um sie am Mittwoch morgen mit einem Kollegen sichten und die Bearbeitungszeit- und das Bearbeitungsbudget einschätzen zu können.
Gegen 16:15 Uhr verlasse ich das Büro, laufe zur KiTa und freue mich auf dem Weg dorthin über den Anblick des Weihnachtsmarktes auf dem Gendarmenmarkt in der Abenddämmerung. Das sieht teilweise schon arg kitschig aus- aber doch schön.
Halb Fünf schlage ich in der KiTa auf, hole Herrn Schnuffke ab und mache mich mit ihm auf den Heimweg. Im Büro habe ich mir zwar mehrere Alternativrouten angeguckt, entscheide mich aber dann, dem S3-SEV noch eine Chance zu geben. Vielleicht läufts ja am Abend besser?
Am Bahnhof Friedrichstraße müssen wir eine ganze Weile auf unsere Bahn warten, als sie ankommt schaffen wir es vor lauter Menschen gerade so einen halbwegs okayen Platz zu bekommen. Herr Schnuffke schlägt sich wieder wunderbar und lässt sich von der Enge und den vielen Menschen nicht irritieren.
Am Ostkreuz finden wir schnell die Haltestelle der SEV-Busse. Nach einer Wartezeit von ziemlich genau einer Minute kommt der Bus, wir können einsteigen. Das lässt sich gut an! Auch die Strecke ist nicht so verstopft wie am Morgen. Leider dauert die Busfahrt trotzdem ziemlich lange, wir brauchen ungefähr 50 Minuten vom Ostkreuz bis Köpenick (zum Vergleich: Die selbe Strecke dauert mit der S-Bahn 15 Minuten).
Kurz nach 18 Uhr kommen wir endlich am Bahnhof Köpenick an. Nach einem kurzen Abstecher ins Forum Köpenick- ich muss dem Nikolaus unter die Arme greifen, sein Knecht Ruprecht ist wohl krank geworden- kommen Herr Schnuffke und ich ~18:45 Uhr endlich zu Hause an. Jott hat, toll wie sie ist, bereits das Abendessen vorbereitet. Wir müssen uns nur noch an den gedeckten Tisch setzen.
Nach dem Abendessen- Herr Schnuffke verschmäht seine Stullen und isst lieber bei mir mit- waschen Herr Schnuffke und ich seine Hände und seinen Mund, putzen die Zähne und ziehen ihm anschließend den Schlafanzug an. Anschließend gucken wir die heutige Folge vom Sandmännchen, die Jott aufgezeichnet hat. Danach bringt Jott Herrn Schnuffke ins Bett. Ich ignoriere alle ToDos für den Abend und spiele am Computer, das habe ich mir heute verdient. Danach schreibe ich diesen Blogbeitrag, und jetzt- 21:44 Uhr- gehe ich ins Bett.
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Morgen werden wir uns von den Straßen fern halten und die Straßenbahn nutzen. Die sollte nicht im Stau stecken bleiben.
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Was schön war: Ganz viel mit Herrn Schnuffke in Bussen und Bahnen herumalbern. Man muss sich ja beschäftigen.


3 Antworten auf „Journal Montag, 5.12.2016 – WMDEDGT 12/16“
Puh….ich beneide Sie ja echt nicht um Ihre Pendlerstrecke. Selbst die „normalen“ 1,5 Stunden pro Weg erscheinen mir einfach viel zu viel, noch dazu mit permanentem Umsteigen, Massen an Leuten und kleinem Kind.
Lässt sich da in halbwegs absehbarer Zeit was dran ändern?
Mein lieber Schwan, über 4 Stunden für Hin- und Rückweg Kita/Arbeit.
@Frau Em: Jo, das ist ’ne Menge. Ich erinnere mich oft wehmütig an die Zeiten zurück, als ich ~30 Minuten zur Arbeit brauchte- das ist leider schon ’ne Weile her…
Eine Besserung ist leider nicht in Sicht.
@Peter: Herzlich willkommen, Peter! Jo. Ist knackig und strengt an.