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Journal Freitag, 21.2.2020

Heute fand die KickOff-Veranstaltung für meine Weiterbildung zum IPMA Level D Projektleiter („zertifizierter Projektmanagementfachmann“) statt. Klingt ganz toll, aber im Endeffekt hing ich auch nur anderthalb Stunden in Decken eingemummelt (ich war im Schlafzimmer, da ist es kalt) am Telefon und hörte zu, wie sehr viel organisatorisches erzählt wurde. Interessant wars allerdings, vor allem als es darum ging welcher Zeiteinsatz so erfahrungsgemäß anfällt. Neben den Präsenzterminen (fünf Tage Workshops, ein Tag Prüfungsvorbereitung, ein Tag Prüfung) muss nämlich in Eigenregie gelernt und für die Zertifizierung gearbeitet werden. Für die Präsenztermine werde ich von meinem Arbeitgeber freigestellt, aber für das Lernen und Arbeiten in Eigenregie nicht (außer ich kann das irgendwie hinbiegen)– das findet in der Freizeit statt. Im Prinzip wird mich der Lehrgang die nächsten Monate im Schnitt eine Stunde am Tag beschäftigen. Wenn ich einen Tag also nichts mache, sind es am nächsten Tag zwei Stunden, usw. usf.. Eine Stunde klingt zwar machbar, aber wenn ich überlege an Tagen wie heute mich noch eine Zusatz-Stunde hinzusetzen und etwas qualitativ okayes* zu Papier zu bringen… Das wird kein Zuckerschlecken.

* Okay im Sinne von ausreichend für das Bestehen. Von (sehr) gut verabschiede ich mich direkt, ich will möglichst ressourcensparend bestehen.

Den Rest des Tages verbrachte ich ein Angebote und Action List schreibend am Rechner. Bis auf die Viertelstunde, in der mein Kopf zu diversen 90er Eurodance Hits mitsang– die ebenfalls remote arbeitende Jott hatte mir nichts, dir nichts angefangen, Hits der Vengaboys (wenn Sie in den 90ern groß geworden sind– klicken Sie da nicht rauf) zu singen und ab da gab es kein Halten mehr.

Den ganzen Tag Heißhunger gehabt. Darum früher gefrühstückt, früher Mittag gegessen und auf dem Heimweg nach dem Einkaufen am Vorabend eine halbe Tüte Nimm2 Apfelringe geext.
Jott gings ähnlich– wir hätten heute wohl beide ein ganzes Spanferkel futtern können, blieben aber trotzdem sehr diszipliniert (und ja, nur die halbe Tüte leer zu essen war diszipliniert).

War ja auch kein Spanferkel da.

Ich rege zum Nachdenken an und denke seit dem Lesen auch nach (im Rahmen des machbaren des müden Geistes). Über die Muster, die es bei regelmäßiger Schilderung des alltäglichen zu erkennen gibt, und das große Bild.
Mein Problem im Alltag ist ja: Mir fehlt der nötige Abstand. Ich bin halt situationsbedingt mittendrin, mir fehlt die Möglichkeit mich herauszuziehen und Strukturen und Muster und Bilder zu erkennen. Was sagt es aus, wenn ich viele Tage und Wochen mit dem Beschreiben des Alltags zu kämpfen habe? Wenn ich schon gar nicht mehr schreiben möchte, wie sehr mich bestimmte Dinge auslaugen? Wenn ich schreibe und denke „Ach nee, geht nicht, das könnte jemand lesen und auf sich beziehen“ und dann lösche, aber es eigentlich doch gern sagen will (ich vermische hier eventuell mehrere Sachverhalte)?
(Ich bin nicht gut im selbstreferenziellen– heißt das so?– Nachdenken. Probleme lösen im Büro ist einfacher)

Einfach tun.

Ach, es ist so einfach. Es kann so einfach sein. Ist es so einfach? Vielleicht.

Müde, k.o., draußen ist es kalt. Bester Zeitpunkt, um Joggen zu gehen (dem inneren Schweinehund werd ich was husten).

Eine Antwort auf „Journal Freitag, 21.2.2020“

habe noch mal nachgedacht: Sie machen das mit dem Tagebuchbloggen ja wahrscheinlich auch ein bisschen für sich selbst – als Tagebuch eben. Da hab ich mir überlegt, über was würden Sie sich vielleicht in ein paar Jahren freuen? Vielleicht an Dingen, die für Sie jetzt gerade eben unglaublich banal und alltäglich, da immer wieder gleich und daher eher unspannend sind. Ich bin neulich auf Aufschriebe gestoßen, die ich beim ersten Kind für die ersten Wochenenden, das es bei Oma und Opa ohne uns Eltern verbracht hat, gemacht habe – Mittagsschlaf wann, wie und wo / erlaubtes und unerlaubtes Essen etc… ;)).- und war bass erstaunt, was mir damals so wichtig war, dass es unbedingt festgehalten werden musste. Vielleicht haben Sie da ja Lust, mehr ins Detail zu gehen – z.B. wie läuft so ein Morgen bei Ihnen ganz genau und in Einzelheiten ab? Wie genau ist die Zubettbringprozedur etc.
Vielleicht rückt das den Alltag ja in ein neues, für Sie etwas spannender erscheinendes Licht?
Ich lese einfach gerne bei Ihnen, weil ich die Perspektive eines engagierten Familienvaters, der sich so seine Gedanken macht und aus einer ganz anderen beruflichen Ecke kommt als ich selbst, als bereichernd empfinde.
Viele Grüße, auch an Jott!

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