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Journal Sonntag, 15.11.2015

Die Attentate in Paris schockieren mich.

Ich saß am Freitag Abend vor dem Rechner in der Küche von Jotts Mama, während der Rest der Familie das Fußballspiel Frankreich gegen Deutschland schaute, und wollte eigentlich nur kurz bei Twitter reingucken, als ich die ersten Meldungen über Explosionen und Schüsse in Paris las. Und mit jedem furchtbaren Detail, das ich las, sah und hörte, wurde ich fassungsloser. Ich verstehe nicht, wieso Menschen zu so etwas fähig sind. Ich verstehe nicht, wie Menschen einfach so willkürlich anderen, völlig unbekannten anderen Menschen größtmögliches Leid zufügen. Es geht nicht in meinen Kopf hinein. Wie kann es dazu kommen? Was muss passieren, dass Menschen so werden?

Es ist schwer, angesichts solcher Ereignisse den eigenen Alltag, die eigenen Sorgen und Probleme nicht als völlig belanglos anzusehen.

Jotts Großvater feiert übernächste Woche seinen 80. Geburtstag. Jott und Herr Schnuffke bleiben bis dahin in Magdeburg; ich bin heute nach Berlin zurück gefahren und habe die nächsten anderthalb Wochen familienfrei. So nett ich es auch finde, tatsächlich mal die Wohnung für mich zu haben, so sehr nervt es (auch nach nur sechs Stunden): Ohne die beiden ist diese große, leere, stille Wohnung nur eine Behausung, kein zu Hause.

Wie gut ist das Gedächtnis von Babys? Herr Schnuffke wird demnächst fünf Monate alt, die anderthalb Wochen die er mich nicht sieht sind ein sehr großer Anteil seines Lebens. Ich habe ein wenig Bammel, dass er mich Ende November nicht wiedererkennt oder zumindest etwas fremdelt.

2 Antworten auf „Journal Sonntag, 15.11.2015“

Ich war anfangs erstmal schockiert von meiner eigenen Abgestumpftheit, weil sich keine richtigen Emotionen zu Paris einstellen wollten. Mittlerweile fängt es aber an durchzusickern und ich merke, dass ich eher zu geschockt und „emotional sprachlos“ war und es mit abgestumpft sein nicht so viel zu tun hatte. Eher Fassungslosigkeit, dass es immer häufiger, mehr, heftiger wird. Ich weiß nicht mehr wirklich was ich damit emotional anfangen soll, suche noch nach einer konstruktiveren Reaktion als Angst/Frust/Wut oder reinem Aktionismus. Diese Anschläge erinnern mich zum ersten Mal wieder an die Gefühle nach dem 11. September, die ich nie wieder so spüren wollte.

Die Parallelen zum 11. September zog ich auch, allerdings eher aus Angst vor den Reaktionen. Der war on terror als Reaktion auf den 11. September trug wesentlich zur Entstehung der Anschläge vom 13. November bei, und ich hoffe einfach dass die Leute in den Schaltzentralen der Macht ihre Lektion gelernt haben und nicht wieder den selben Fehler machen… Wobei diese Hoffnung nach den französischen Luftangriffen auf Raqqa nicht sonderlich groß ist.

Wenn Sie eine konstruktive Reaktion gefunden haben, teilen Sie diese doch bitte. Mir geht es ähnlich.

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