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Elternzeit 2016

Journal Donnerstag, 18.8.2016

Und dann ist sie vorbei, die Elternzeit. So schnell gehen neun Wochen herum.

Heute morgen erwischten wir nicht nur eine Bahn früher, sondern sogar zwei, und waren dadurch sogar zehn vor Acht im Kindergarten. Das ist aber leider auch nicht so gut, denn der reguläre Betrieb beginnt erst um 8 Uhr und somit hätte Herr Schnuffke eigentlich in die Frühbetreuung gemusst (die endet um 8 Uhr). Das ist für zehn Minuten natürlich Blödsinn, und so hampelten wir beide noch etwas herum bis die normale Betreuungszeit begann.
Morgen müssen wir also eine Bahn später nehmen, dann sollte es perfekt sein.

Im Büro herumgearbeitet. Heute war ich fast einen ganzen Arbeitstag da und war danach doch etwas matschig.

Während eines Telefonats mit einem externen Mitarbeiter rutschte mir ein „Ick“ heraus. Das verunsicherte den Kollegen- gebürtiger Berliner aus dem Ostteil der Stadt, also ebenfalls mit dem Berliner Dialekt vertraut- so stark, dass er nachfragen musste. Merkwürdig. Aber vermutlich würde es mir ähnlich gehen, wenn mit einem Mal vom Hochdeutschen in den Dialekt gewechselt wird.

Der Heimweg von der KiTa war ein wenig abenteuerlich. Herr Schnuffke war müde und hungrig und hatte mich vermisst, und so ließ er sich von der KiTa bis zum Bahnhof Friedrichstraße tragen. Alle Versuche, ihn in den Buggy zu buggysieren bugsieren, scheiterten kläglich. Also tragen. So lang war der Weg noch nie, das Kind wird mit der Zeit doch etwas schwer.

Am Bahnhof fiel mir ein, dass in Herrn Schnuffkes Rucksack noch Knabberkram drin war, damit konnte ich ihn letztendlich bestechen und in den Buggy setzen. Wär mir das mal früher eingefallen.

Im Bahnhof ärgerten wir uns noch mit dem Aufzug vom Erdgeschoss zu unserem Gleis im dritten Stockwerk herum. Es gibt nur einen kleinen Aufzug, in den mit Müh und Not zwei Kinderwagen/ drei Buggys hineinpassen. Und dieser eine Aufzug wird sehr, sehr oft von Touristen blockiert, die nicht wissen wo sie hinfahren, auf jeder Etage anhalten, nicht aussteigen und teilweise mehrmals vom 3. Stock ins Erdgeschoss fahren und wieder zurück.
So auch heute. Irgendwann riss mir der Geduldsfaden und ich suchte eine Rolltreppe, um damit nach oben zu fahren. Leider war die nächstgelegene Rolltreppe aber defekt, so das ich letzten Endes den Buggy aus Wut und Trotz die normalen Treppen hinauf trug. Wenigstens war Herr Schnuffke währenddessen fröhlich, er hatte Knabberzeug und konnte sich im belebten Bahnhof umgucken.

Für morgen muss ich für den Heimweg eine Stulle für Herrn Schnuffke einpacken. In der KiTa gab es zwar Vesper, aber das muss relativ gering ausgefallen sein- das Kind hatte einen Bärenhunger und verdrückte nach der Ankunft zu Hause erstmal zwei Kekse und aß zum Abendbrot mehr als ich.

Die Aufzüge am Ostkreuz funktionierten heute. Morgens und Nachmittags. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Herr Schnuffke war durch den langen KiTa-Tag und die Bahnfahrten so k.o., dass wir nach der Rückkehr nach Hause nicht mehr viel mit ihm anstellen konnten. Er schlief dann auch bereits um 19:15 Uhr, das ist sehr früh.

Vermutlich werden wir unser Abendessen und seine Zubettgehzeit etwas vorziehen müssen, um seinem Schlafbedürfnis gerecht zu werden.

In der Edition F erschien vor kurzem ein sehr guter Artikel über steigende Mieten in Berlin und wer diese eigentlich bezahlen kann (und wer nicht). Darin werden auch die Fragen gestellt, die Jott und ich uns gelegentlich (eigentlich dauernd) stellen:

Wer seine Eltern in der Provinz im abbezahlten Einfamilienhaus besucht, fragt sich regelmäßig: „Wie haben die das eigentlich gemacht? Mit einem Einkommen und drei Kindern?“

Und

„Alle um mich herum kaufen Wohnungen oder Häuser“, staunte einer meiner besten Freunde. „Für 400.000 Euro. Für 600.000. Wie machen sie das?“

Beide Zitate stammen aus dem Artikel „Berlin bleibt bezahlbar? Dass ich nicht lache“ auf Edition F von Teresa Buecker.

Zumindest die Antwort auf die Frage „Wie machen sie das“ gibt der Artikel. Nämlich mit dem Geld der Elterngeneration.

Wir merken es ja selbst: Eine größere Wohnung, die einer fünfköpfigen Familie gerecht wird, und die etwas zentraler gelegen ist, ist für uns eigentlich nicht bezahlbar. Wir müssten zwischen 40 und 50% unseres Familieneinkommens auf den Tisch legen, und das ist auch meiner Meinung nach einfach zu viel.

Was man da machen kann, weiß ich auch nicht. Aber das gehört zu den Dingen, die Jott und ich gerade überdenken.

Was schön war: Jott kümmerte sich nach unserer Ankunft bis zum Abendessen um Herrn Schnuffke, ich konnte die Füße hochlegen.

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