Zu strahlenden Sonnenschein aufgewacht. Nach dem Frühstück im Hotel liefen wir nochmal zur Van Stapele Koekmakerij und besorgten Mitbringsel für unsere Kindersitter. Bei Sonne sah die Stadt nochmal ein ganzen Stück schöner aus, ich schaute nochmal ausgiebigst in die Gegend.
Auf dem Weg zum Bahnhof kam dann eine Nachricht der Bahn, die uns kurzzeitig die Laune verhagelte: Unser Zug nach Berlin entfiel. Zum Glück fuhr zwei Stunden später schon der nächste; Jott buchte uns Sitzplätze und dann versuchten wir das beste aus dem Bonusaufenthalt zu machen.
Der nächste Zug war dann pünktlich und gar nicht so voll wie gedacht, wir hatten die gesamten sechs Stunden Fahrt das Sechser-Abteil für uns. Die Fahrt war relativ ereignlos, wenn man von lärmenden Mitreisenden absieht die wir auf Grund der nicht schließenden Abteiltür nicht ausblenden konnten.
Ankunft zu Hause gegen 20:30 Uhr, die Kinder waren noch wach und begrüßten uns fröhlich. Wir waren ganz schön durch, Jotts Mama und ihre Schwester auch– wir erzählten noch kurz, dann verabschiedeten sich die beiden recht bald darauf und wir gingen, direkt nachdem sie weg waren, auch ins Bett.
Durchwachsene Nacht. Ich fühlte mich nicht sonderlich erholt, aber immerhin besser als am Vorabend.
Frühstück im Café Waterloo. Sehr unprätentiös, ich hatte den Eindruck das hier tatsächlich auch Amsterdamer einkehrten. Wir aßen und machten uns dann wieder auf die Socken Richtung Innenstadt, heute stand eine Grachtentour auf dem Programm.
Amsterdam ist vom Wasser aus wunderschön, wir kamen aus dem gucken und Fotos machen gar nicht mehr heraus. Mittendrin gelernt, dass die Stadt selbst nur so um die 900.000 Einwohner, aber wohl irgendwas um die 25 Millionen Touristen pro Jahr hat– kein Wunder, dass es so eng, überfüllt und touristisch geprägt wirkt.
Mittendrin wurde es kurz ein wenig hektisch, denn M hatte– trotz Fußballspielverbot und Info an die Erzieherinnen im Ferienhort– Fußball gespielt. Dabei war wohl irgendwas mit seinem Daumen, es hatte nochmal geknackt und wehgetan, und der Ferienhort bat um Abholung. Immerhin nicht bei uns, sondern bei Jotts Mama/Schwester, die die Kinder betreuten. Wir berieten per WhatsApp und drückten die Daumen, dass mit dem Daumen alles in Ordnung sei. Entwarnung gabs dann später am Tag, zusammen mit der Info das M nun Bewegungsverbot hat. Geschieht der Plinse recht.
Nach der Grachtentour liefen in den Westerpark, genauer gesagt zu den Fabrique des Lumières, um uns die Show zu den alten holländischen Meistern anzuschauen. Leider hatten wir übersehen, dass die erst 17 Uhr angeschaut werden konnte. Also fuhren wir nach einer kurzen Tee- und Kaffeepause mit einem Uber ins Hotel zurück, verschnauften dort und kehrten Abends in den Westerpark zurück.
Die Show war sehr beeindruckend, das Zusammenspiel aus Musik und Licht und den Werken der großen niederländischen Maler zog Jott und mich in seinen Bann.
Im Anschluss gingen wir noch auf eine Pizza in die nahe gelegene Bar Coco, bevor wir später wieder per Uber ins Hotel zurückkehrten.
Hervorragend geschlafen. Schneller Aufbruch für ein Frühstück bei Bakers & Roasters, das hatte ich im Vorfeld als Frühstücksoption für uns notiert. Im Anschluss spazierten wir zum Hauptbahnhof und setzten mit einer Fähre nach Amsterdam Noord über, um uns das Gelände der ehemaligen NDSM-Werft, das kreative Amsterdam und das Streetart-Museum STRAAT anzuschauen.
Mittag gabs auf dem Rückweg, wir aßen ziemlich gute Pommes an irgendeiner kleinen Bude in der Innenstadt. Danach machten wir uns auf die Suche nach einer Coffeeshop-Empfehlung (… when in Rome und so), bevor wir für eine Pause ins Hotel zurückkehrten– uns qualmten die Füße und wir hatten für den Abend noch eine geführte Tour durchs Rotlichtviertel geplant… aus der dann leider nichts wurde, denn direkt zu Beginn der Tour (wir waren schon vor Ort, es ist so ärgerlich) bekam ich Kreislaufprobleme und fühlte mich gar nicht mal so wohl– der Schokokeks mit Extra vom frühen Nachmittag (3,5h zuvor!) bekam mir mit einem Mal überhaupt nicht mehr. Während die Tour losging, saß ich mit Jott ein bisschen in der Gegend rum und wurde dann von ihr, als der Kreislauf sich stabilisiert hatte, zum Hotel zurückgelotst, wo wir die Füße hochlegten, bestellte Quesadillas aßen, einen abstrusen Film im Fernsehen schauten und (vor allem ich) darauf wartete, dass ich mich wieder eingermaßen klar im Kopf fühlte. Unschöne Erfahrung, muss ich so schnell nicht wieder ausprobieren.
Halb Sechs aufgestanden und eine gute Stunde später gemeinsam mit Jott nach Amsterdam aufgebrochen. Kurzer Zwischenstopp im Berliner Hauptbahnhof zum Umsteigen sowie Verpflegungskauf, dann gings ab im IC nach Amsterdam Centraal. Ereignislose Fahrt (Jott sei Dank im eigenen Abteil, die Fahrt in der 1. Klasse ging über ihr Mobilitätsbudget), wir beschäftigten uns gut und waren bei Ankunft schon ein bisschen entspannter als vorher (sechs Stunden einfach lesen, schreiben, spielen, … können ist schon Luxus).
Amsterdam empfing uns grau und diesig, das legte sich aber kurz nach Ankunft. Erster Halt war unser Hotel Nähe Waterlooplein, wir liefen nach dem stundenlangen Sitzen zu Fuß hin und bekamen einen ersten Eindruck von der Innenstadt.
Nach Checkin und Zimmerbezug zogen wir wieder auf eigene Faust los. Jott lotste uns zur Van Stapele Koekmakerij, wo wir sehr touri-gemäß Schlange standen um anschließend wirklich gute Schokokekse (ohne Extra) zu kaufen und zu essen. Frisch gestärkt gings weiter durch die Innenstadt, wir liefen und guckten und guckten und liefen. Ich war ziemlich überwältigt und fühlte mich wie ein Landei in einer Großstadt. Unfassbare Menschenmengen auf engsten Raum, ein unüberschaubares Gewirr kleiner Gassen, überall blinkende Leuchtreklame, omnipräsenter Grasgeruch, Müll ohne Ende, Grachten, Sperrmüllhaufen vor Postkartenidyll-Häusern, Coffeeshops, kleine Cafés, Restaurants, Kneipen, Menschen und Sprachen aus aller Herren Länder, Fahrräder und Radfahrende… Es war total irre und ganz anders als Berlin. Auf mich wirkte es viel internationaler, metropoliger, touristischer, kosmopolitischer. Spannend und überfordernd.
Mittendrin ein kurzer Nachrichten-Wechsel mit dem großen Kind. Auf einen Fotogruß von Jott und mir kam nämlich ein Foto von M zurück, wie er seinen bandagierten linken Arm in die Kamera hält– seine Daumenschiene ist aber rechts… Offenbar hatte er sich beim Fußballspielen den Arm großflächig aufgeschürft. Große Freude, aber es schien alles unter Kontrolle zu sein.
Auf dem Rückweg zum Hotel aßen wir in einem Eckrestaurant an einer Gracht Abendessen (für mich Hollandse Stamppot, um auch beim Essen was anderes/neues auszuprobieren), bevor wir aufs Zimmer gingen, uns dort noch einen mitgebrachten Schokokeks (diesmal mit Extra, when in Rome do as the Romans do…) teilten und dann beide binnen einer guten Stunde einfach einschliefen.