Und dann lese ich Abends im Bett noch ein wenig in den Aufzeichnungen meines Großvaters, wie er dem Einberufungsbefehl zur Waffen-SS nur entgehen konnte, weil zeitgleich auf Wunsch des Reichsforstmeisters Hermann Göring alle Forstanwärter sich „freiwillig“ zur Fallschirmpanzergrenadierdivision Hermann Göring melden sollten, und denke mir was für ein Glück es ist, nicht in Zeiten dieser Barbarei gelebt zu haben.
Es ist zu heiß,
es ist zu heiß,
es ist zu heiß für den Straßenkampf,
zu heiß, weil die Straße dampft.
Das Wetter macht mich fertig. Die Sonne ist ja ganz nett, aber die Wärme! Ich bin kein Sommermensch. Zumindest kein „Oh toll, es sind mehr als 25 Grad im Schatten„-Sommermensch. Das ist die optimale Temperatur. Dann noch ein bisschen Wind und gelegentlich ein Wölkchen und alles ist im Lot.
Ich mag den Herbst mehr. Wenn der Himmel bedeckt ist, es bei zehn Grad windet und nieselt und ich mich über die seltenen Sonnenstrahlen freue.
Ich habe heute zum ersten Mal mein Kind gebadet. Es war eine glitschige Angelegenheit. Eine sehr sehr tolle glitschige Angelegenheit. Beim nächsten Mal werde ich das in der großen Badewanne probieren.
Vor einiger Zeit sprach ich mit Jott über meine Unzufriedenheit bezüglich adäquaten Sommerschuhwerks für Männer. Im Endeffekt ist alles außer offenen Schuhen- also Sandalen, Flip Flops, Badelatschen- zu warm und zu unluftig. Das Problem ist aber: Flip Flops mag ich nicht, weil mir das kleine Zehenbändchen nicht als Befestigung reicht. Badelatschen bieten schon etwas mehr Halt, sind aber meines Erachtens nach ungeeignet für alle Örtlichkeiten außer Schwimmbad/ Sauna/ sanitäre Anlagen. Bleiben Sandalen, die genug Halt beim Laufen bieten und auch halbwegs erhobenen Hauptes in der Öffentlichkeit getragen werden können (auch wenn dem just heute in der Süddeutschen Zeitung widersprochen wird). Aber: 99% der Herrensandalen sind potthässlich. Ein Blick auf die bei Amazon verfügbaren Sandalen bestätigt das. Ungetüme aus Kunststoff mit Klettverschlüssen, die vielleicht auf Trekking-Touren und ausgedehnten Wanderungen ohne Menschenkontakt ihre Stärken ausspielen können, die ich aber keinesfalls an meine Füße lassen wollte- und durfte. Denn Jott sah die Sache genauso wie ich, was die Hässlichkeit betrifft, und stellte schon kurz nach unserem Kennenlernen vor vielen Jahren klar, dass wir ab dem Zeitpunkt geschiedene Leute wären zu dem ich mir eines dieser besagten Kunststoff-Klettverschluss-Ungetüme zulegen würde. Da dies nicht zu meinen unmittelbaren Zielen gehörte, bat ich sie also nach dem weiter oben erwähnten Gespräch, doch einmal selbst nach Sandalen zu suchen die unsere Beziehung nicht zu sehr belasten würden. Ich selbst hatte lange und erfolglos das Internet abgesucht und begab mich in ihre kundigen Hände.
Ungefähr fünf Minuten später schickte sie mir den Link zu einem Paar Sandalen, das gut aussah, preislich nicht zu teuer und an den entscheidenden Stellen kunststoff- und klettverschlussfrei war.
Nachdem ich bei der ersten Bestellung die falsche Größe ausgewählt hatte (Birkenstock-Schuhe fallen scheinbar SEHR groß aus), kam heute das Paket mit der richtigen Größe an und somit bin ich seit heute Mittag im Besitz von einem ok aussehenden Paar Sandalen, die sich bislang fantastisch laufen.
Und zu allem Überfluss scheint Birkenstock gerade der heiße Scheiß zu sein, was bedeutet dass ich damit wohl halbwegs modisch gekleidet bin. Hurra!
Eigentlich wollte ich heute nur ein äußerst putziges Baby-Faultier-Video posten, weil Jott und ich eigentlich bei einer Geburtstagsfeier sein wollten.
Aber wie heißt es so schön: „Wenn du die Götter zum Lachen bringen willst, erzähl ihnen von deinen Plänen.“ Unser Plan wurde vom Wetter sabotiert. Schnuffke ist bei diesen Temperaturen nämlich unabsichtlich (hoffe ich jedenfalls für ihn) ein wenig anstrengend: Er schläft schlecht, trinkt viel, pinkelt ohne Ende (DREI MAL WÄHREND EINER EINZIGEN WICKELSESSION), hat trinkbedingt öfter Bauchschmerzen und will eigentlich nur getragen werden oder eben an der Brust liegen. Und mit „ein wenig anstrengend“ meine ich, dass ich mich heute Abend gern auf die Straße gestellt und das Kind verschenkt hätte. Der Gedanke verflüchtigte sich zwar recht schnell als er die selben Geräusche machte wie der kleine Edward oben im Video, aber ganz einfach war das heute nicht. Vor allem weil ich bei diesem Wetter auch nicht ganz unanstrengend bin: Ich schlafe schlecht, trinke viel, pinkel ohne Ende… Lassen wir das. Jedenfalls kommt gerade alles zusammen.
Aber der Reihe nach.
Eigentlich fing der Tag nämlich ganz gut an. Wetterbedingt war ich etwas früher wach, ließ Frühstück und Kaffee zu Hause ausfallen und konnte demzufolge schon dreiviertel Sieben ins Büro aufbrechen. Das war ganz gut, denn die Temperaturen waren gerade noch so erträglich. Im Büro dann die Fenster aufgerissen, später die Klimaanlage angeschmissen und versucht, halbwegs ordentlich zu arbeiten. Das ging so mittelprächtig, als ich Punkt 16 Uhr den Laptop zuklappte, wäre ich nichtmal ansatzweise für den Titel „Held der Arbeit“ in Betracht gekommen.
Beim Verlassen des klimatisierten Büros lief ich gegen eine Wand aus Hitze und überlegte kurz, nicht zurück zum Alex zu laufen sondern die U2 zu nehmen. Die Vorstellung, in der Rush Hour eingezwängt in der stickigen U-Bahn zu stehen, sorgte dann aber doch dafür das ich zu Fuß ging. Am Alex dann notgedrungen die stickige S-Bahn.
Ich könnte schwören, dass der S-Bahn-Ansager gerade Jannoschwitzbrücke gesagt hat.
Du weißt, dass es in der S-Bahn warm ist, wenn dir nach dem Aussteigen die 36° Außentemperatur erfrischend kühl vorkommen. — Herr Paul (@herrpaul_) 7. August 2015
Zu Hause kurz mit Jott erzählt, festgestellt dass das Kind etwas anstrengend ist und sie daher noch nicht einmal geduscht war und dann den Entschluss gefasst, die Geburtstagsparty nicht zu besuchen. Vermutlich bin ich nur übermäßig besorgt, aber ich glaube, so ein sieben Wochen alter Säugling, der alle 90 Minuten gestillt werden möchte, und seine sehr k.o.’e Mama sind in der Ruhe der „nur“ 25° Celsius warmen Wohnung besser aufgehoben als bei 36° Celsius draußen. Und auch wenn die Option bestanden hätte, dass Jott auf der Party stillt, wäre das weder für sie, noch für Schnuffke noch schlussendlich für mich spaßig gewesen.
Das die Entscheidung richtig war, hat sich eine gute Stunde später gezeigt als Schnuffke nur auf meinem Arm und nur beim In-der-Wohnung-umherlaufen schlafen wollte… Immerhin blieb noch genügend Zeit, den Essensplan für die kommende Woche fertig zustellen- diesmal sommerlich leicht, meist kalt und ohne große Aufwände beim Kochen.
Kopfschmerz- und Matschigkeitsbedingt heute nicht ins Büro. Nach dem Ausschlafen gings schon etwas besser, zumindest gut genug um noch vor der großen Mittagshitze Säuglings-Kram zu kaufen. Danach erstmal hinsetzen und die Füße hochlegen. Gegen Nachmittag/ Abend dann allmählich eine Verbesserung der Lage, gemacht habe ich außer Sandalen-Kauf (das reicht für einen eigenen Beitrag, es ist ganz und gar furchtbar) und Postbus-Ticket-Buchung (davon mehr in zwei Wochen) nicht viel. Halt, stopp: Ich habe mit großer Begeisterung über das Leben im Sex-Shop bei Tag und bei Nacht gelesen. Der Link kam über Herrn Buddenbohm und den Kiezneurotiker rein, das passiert auch nicht alle Tage das es Schnittpunkte in deren Linkbeiträgen gibt.
Wenn Jott und ich mal wieder nach Hamburg (das klingt fast schon weltgewandt, es wäre aber erst das zweite Mal) fahren, haben wir nun jedenfalls ein weiteres Ausflugsziel (unverschämt grinsend ab).
Von Schnuffke halb sechs geweckt worden, ins Wohnzimmer umgezogen und gleich ins Kinderzimmer zum Wickeln weitergezogen. Immer leise leise, damit Jott nicht aufwacht sondern noch ein, anderthalb Stündchen schlafen kann. Anschließend das Kind in die Wippe gepackt, ins Bad, Morgentoilette, das inzwischen wieder schlafende Kind angehimmelt. Frühstück mit Twitter und Feedly, danach den jetzt jammernden Schnuffke beruhigen und gemeinsam Jott zum Stillen wecken. Küche aufräumen, zur Arbeit fahren, für die erste TelKo vorbereiten. TelKo durchführen, Informationen weitergeben, organisieren, mit den Kollegen erzählen und Mittagpause machen. Die zweite TelKo vorbereiten, durchführen, wieder Informationen weitergeben, wieder organisieren, wieder mit den Kollegen erzählen. Dann die dritte TelKo, danach nach Hause und unterwegs mit Jott besprechen, dass wir uns treffen und gemeinsam noch ein wenig durchs Forum bummeln. Danach nach Hause, Schnuffke wickeln und bespaßen und mit Jott zu Abend essen. Arbeiten an einer Website für einen Onkel, 169 Worte tippen für den täglichen Eintrag. Schlafen gehen mit einem schlechten Gewissen trotz dicken Plus im Überstunden-Konto, weil die Abend-Arbeit für den Arbeitgeber ausgefallen ist.
Jott und ich sind furchtbare Spießer: Am Freitag Abend, manchmal auch erst am Samstag Morgen, erstellen wir eine Liste mit Gerichten für jeden einzelnen Tag der vor uns liegenden Woche. Wir blättern durch Kochbücher, recherchieren im Internet nach Rezepten oder erinnern uns an Gerichte, die wir seit längerer Zeit nicht gegessen haben. Wir versuchen, das ganze recht ausgewogen zu halten: Mal gibt es Suppe, mal Salat, mal ein Stück Fleisch, mal Nudeln, mal Bulgur.
Für die derzeitige Woche sieht der Plan beispielsweise so aus:
Tag
Gericht
Samstag
Stampfkartoffeln mit Buttermilch
Sonntag
Nudelsalat „Alte Schule“
Montag
Gekühlte Rahm-Gurken-Suppe
Dienstag
Caesar Salad mit Tofu
Mittwoch
Saté-Spieße
Donnerstag
Bruschetta
Freitag
außer Haus
Am Samstag Vormittag werden alle benötigten Zutaten gekauft und den Rest der Woche können wir uns wunderbar abwechslungsreich ernähren. Was will man mehr? Meist reichen die Portionen sogar, um am Folgetag etwas ins Büro mitnehmen zu können.
Wir handhaben das so seit ungefähr einem Jahr und dieses System hat sich bewährt: Wir haben immer die passenden Zutaten im Haus, müssen uns nicht aufwendig jeden Tag überlegen was wir zu Abend essen wollen, gehen nur einmal die Woche einkaufen und- das ist das Beste- wenn wir beschließen, dass wir statt der gekühlten Rahm-Gurken-Suppe lieber Spaghetti Bolognese essen möchten, ist das trotzdem kein Beinbruch.
Leider habe ich vergessen, was ich heute schreiben wollte. Daher muss ein mittellustiger Tweet herhalten. Außerdem ist es schon wieder kurz vor 22 Uhr, was bedeutet dass mein Plan („Heute gehst Du mal bei Zeiten ins Bett, Paul!“) hinfällig geworden ist.