Relativ ruhiger Arbeitstag, kaum Termine. Leider weiterhin recht viel am Handy gehangen und News aufgesaugt. Ich weiß, dass es kontraproduktiv ist, aber es ist schwer damit aufzuhören.
Heute wieder Logopädie nach drei Wochen Pause. J und G waren nur so halb dabei, es war recht anstrengend die beiden bei Laune zu halten und zum Mitmachen zu animieren. Da unsere Logopädin gar nicht mal so viel Einwirken kann, muss ich bei jeder Übung mitmachen, Ansagen machen und auf eine saubere Aussprache achten. Das streng an.
Aber: Mitte/Ende März kann offenbar alles wieder vor Ort stattfinden.
Jott war heute mit M und J beim Friseur. Die beiden sehen nun wieder sehr, sehr schick aus. Mir war gar nicht so aufgefallen, wie lang die Haare vor dem Schnitt waren.
Abends eine kleine Runde laufen gewesen. Ich tast mich wieder ran. Ging ganz gut, ich lief recht beschwingt (bzw. fühlte mich nicht völlig außer Form).
Besonders schön: Ich lief 18 Uhr los, da dämmerte es gerad erst. Eine Wohltat.
Erneute Eskalation von G am Abend. Die Jungs schalteten Tablet/Switch aus (mit Gemecker, aber immerhin), G weigerte sich ihr Tablet wegzupacken und begann zu kreischen und schreulen als ich es wegnahm und weglegte. Danach versuchte sie immer wieder, das Tablet an sich zu nehmen, obwohl sowohl Jott als auch ich genau das untersagten. Es nervt unfassbar, wie die Zwillinge gerade drauf sind.
„Meine“ Firma hat offenbar die geplanten Geschäftsbeziehungen nach Russland eingestellt. Starker Move (oder zumindest gut verkauft in Anbetracht der Sanktionen).
Unsortierte Gedankenschnippsel zum Krieg. Mir sind in den letzten Tagen verschiedene Dinge aufgefallen die ich für mich formulieren will.
Wer das nicht lesen will (ich hab weder Ahnung von der Ukraine noch von Militär noch von Flüchtlingen noch von Welt- und Osteuropapolitik, ich bin halt auch nur ein random white dude der ins Internet schreibt} muss nicht auf „Weiterlesen“ drücken :)
Sehr ikonische Bilder/Äußerungen von Selenskyj. Ich finde es sehr beeindruckend, wie er mit der aktuellen Situation umgeht (bzw. was über die Medien hängen bleibt). Vor allem vor dem Hintergrund das er offenbar Comedian/Synchronsprecher (ukrainische Stimme von Paddington, wie abgefahren ist das denn?) war und als „frischer Wind“ in die Politik kam. Sehr nahbar, sehr „dran“ am Krieg, der Front, dem Dreck, dem Leid der Menschen. Im Vergleich dazu Putin in seinen Palästen mit den langen Tafeln.
Begeistert über den (nach anfänglichen Startschwierigkeiten) geschlossenen westlichen Pro-Ukraine-Auftritt und die Sanktionen. Deutschland hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, sich dann aber doch zu einer starken Haltung hinreißen lassen. Ich wünschte, das wäre in früheren Konflikten passiert– aber vielleicht muss es erst einen Krieg in der eigenen Nachbarschaft geben.
Das Sondervermögen für die Bundeswehr sowie das Bestreben, die Nato-2%-Grenze finde ich (erstmal, nach Lesen/Hören) gut; es ist allerdings auch eine ganz schöne Kurzschluss-Reaktion und ich weiß nicht wie sinnvoll das ganze ist. Immerhin sind die deutschen BW-Ausgaben seit Jahren gestiegen und auch aktuell schon verdammt hoch– das passt dann aber mE nicht zusammen mit gerad viel zitierten Aussagen über den furchtbaren Zustand der BW.
Es ist merkwürdig, die von Gefechten/Schlachten aus dem Zweiten Weltkrieg bekannten Ortsnamen wieder als Austragungsort von Kämpfen zu erleben.
„Die Ukraine“ produziert unfassbar gute „Memes“ (in Ermangelung eines besseren Wortes – Bilder, Videos, Texte etc.): „Russian Warship, go fuck yourself, „Put sunflower seeds in your pocket so they grow when you die here“, Berichte wie offenbar der Großteil der Zivielbevölkerung sich als Freiwillige für die Territorial-Verteidigung und die Armee meldet, Bilder und Videos von Soldaten/Freiwilligen mit niedlichen Hunden und Katzen, Dorfbewohner die sich Panzern in den Weg stellen, Autofahrer die liegen gebliebene russische Panzer abschleppen wollen, von Traktorfahrern geklaute russische Panzer usw. usf. Es ist beeindruckend; falls das in irgendeiner Form gesteuert ist dann ist das sehr gut. Von russicher Seite aus gibt es _nichts_ vergleichbares dazu in meiner Timeline.
Generell ist es spannend und auch gruselig, wie nah dran man dank Social Media am Krieg sein kann wenn man es möchte.
Wie schwer es fällt, Bilder und Berichte zu verifizieren. Die Sprach- und Schriftbarriere ist brutal; und im Prinzip muss eigentlich jedes Bild/Video/Text hinterfragt/abgeglichen werden. Ich hab einen Heidenrespekt vor den Verifikationsteams der Medien.
In „meinem“ Social Media werden die russichen Soldaten als blutjunge, unerfahrene Männer (teils eher Jungs) dargestellt, die gar nicht so recht wissen das sie in einem echten Krieg sind und zudem völlig überrascht sind, dass sie als Invasoren gehasst werden.
Russland schickt offenbar in der ersten Welle/den ersten Wellen (?) nur altes Material und junge Rekruten– wo ist der moderne Kram? Die haben eine der größten Armeen der Welt und wohl auch reichlich moderne Waffensysteme– weshalb sieht man davon so wenig?
Ich folge seit ein paar Tagen einigen Militärexperten, die teils Taktiken/Strategien erklären/einordnen. Das ist sehr spannend und lehrreich. Am Rande dieser Blase bekomme ich mit, wie Verifikation von Bildmaterial funktioniert: Da werden nach Videos von Bombenabwürfen anhand von Google Maps Koordinaten abgeglichen, Timestamps analysiert… Das ist beeindruckend.
Dicke fette Klöße im Hals beim Gedanken an die Menschen, die mit Sack und Pack in Bunkern, Kellern, U-Bahn-Schächten ausharren während über ihnen Bomben fallen.
Die unfassbare Generalmobilmachung der Ukraine; alle Männer zw. 18 und 60 MÜSSEN im Land bleiben und Kämpfen. Es ist unvorstellbar für mich. Ich will mir nicht vorstellen, wie es wäre wenn uns das bevorsteht. Ich verstehe auch nicht, ob die alle kämpfen müssen– wenns hart auf hart kommt vermutlich schon. Und das sind Leute wie ich, das ist so unvorstellbar.
Noch mehr dicke fette Klöße im Hals und feuchte Augen beim Gedanken, die Familie vielleicht bis zur Grenze begleitet zu haben und dann nicht mitgehen zu dürfen.
Wie beschämend, dass Nicht-weiße Flüchtlinge aus der Ukraine an den Grenzen abgewiesen werden (z.B. afrikanische Studierende die nach Polen/Rumänien flüchten).
Große Sorge vor einem Atomkrieg. Klar, Experten stufen die Gefahr als gering ein– aber wenn sich Putin in die Enge getrieben fühlt, oder ihm einfach alles egal ist?
