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Zwillingsgeburt

Die letzten Tage passierte unheimlich viel. Und bereits gestern musste ich feststellen: Schlafen ist wichtiger als bloggen.

Ein Geburtsbericht. Meine Sicht, zur Eigentherapie.

Am Sonntag morgen um 4:19 Uhr rief mich Jott an. Sie hatte starke Wehen im 3-Minuten-Takt. Ich sprang auf, dankte innerlich dem besonnenen Paul, der am Vorabend bereits 21 Uhr im Bett lag, bestellte ein Taxi, zog mich an, schnappte mir alle vorbereiteten Taschen und Beutel und ließ mich zum Krankenhaus fahren. Dort angekommen wurde Jott gerade eine PDA gelegt, ich konnte also nicht sofort zu ihr sondern musste noch eine halbe Stunde warten. Dann durfte ich zu ihr und ließ mich auf Stand bringen. Die Einleitung war in dem Sinne erfolgreich, dass Wehen ausgelöst wurden. Diese waren jedoch von jetzt auf gleich stärker als alles, was Jott von Herrn Schnuffkes Geburt in Erinnerung hatte, und kamen überdies alle drei Minuten. Sie hatte also keine Zeit, um sich zwischen den Wehen zu erholen. Da sie seit dem frühen Samstag morgen wach und auf den Beinen war, und die Wehen bereits am frühen Abend des Samstags begannen, stand es um ihre Kräfte mittlerweile nicht mehr zum Besten. Die PDA kam also zum richtigen Zeitpunkt und erleichterte Jott die nächsten paar Stunden.

Nach der PDA hieß es warten: Die Wehen mussten den Muttermund öffnen und die Kinder nach unten treiben. Und so warteten wir und warteten und warteten. Wir hatten Glück, dass an diesem Morgen nicht so viel los war, und wir exklusiv eine Hebamme und eine Hebammenschülerin für uns hatten. Das half uns sehr.

Leider stellte sich mit jeder vergangenen Stunde heraus, dass die Wehen nicht kräftig genug waren um den Muttermund vollständig zu öffnen. Das Sprengen der Fruchtblase von IHR sowie ganz viele Hebammen-Mittelchen bewirkten zwar noch einmal stärkere Kontraktionen, aber diese waren weiterhin nicht stark genug um SIE tiefer nach unten in den Geburtskanal zu drücken.
Je länger das dauerte, desto schlapper wurde Jott und desto aufgeregter waren die Zwillinge. Und so informierte die uns betreuende Ärztin, dass wir nach Ablauf einer letzten Frist anders vorgehen müssten: Wenn sich der Status binnen einer Stunde nicht ändern würde, müsste ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.

Die Stunde verstrich, und obwohl Jott nun von stärkeren Wehen berichtete, hatte sich der Zustand des Muttermunds und die Position von IHR im bzw. vor dem Geburtskanal nicht geändert. Kaiserschnitt also. Die Ärztin und die Hebammen ließen Jott und mir ein wenig Zeit, um diese Nachricht zu verdauern. Jott war geknickt, sie hatte sich eine natürliche Geburt gewünscht.
Nachdem wir uns wieder gefasst hatten, gingen die Vorbereitungen für die OP los. Ich musste meine Straßenbekleidung ausziehen und zog schicke violette Krankenhauspfleger-Kleidung und blaue Crocs an, Jott wurde in den OP geschoben. Ich wartete vor dem OP-Saal ungefähr 20 Minuten, in denen Jott für die OP und das OP-Team/ der Saal für Jott vorbereitet wurden.

Als alles fertig war, wurde ich in den OP-Saal geholt, setzte mich auf einen Hocker an Jotts Kopfende, hielt ihr Gesicht fest- das war mir wichtig, damit sie mich nicht nur sieht und hört, sondern auch spürt- und harrte der Dinge die da kommen sollten.
Dann ging die OP los. Jotts Kopf und ich waren durch einen dünnen grünen Vorhang vom Rest von Jotts Körper abgetrennt, wir sahen also nichts. Dafür hörten wir umso mehr (zumindest ich, ich weiß nicht wieviel Jott mitbekommen hat). Es war… irritierend. Sauggeräusche, Schmatzgeräusche, lautes Zischen, unverständliche Ansagen des OP-Teams. Jotts Körper wurde mehrfach ordentlich durchgeschüttelt.
Mittendrin wurde Jott schlecht, sie musste sich erbrechen.

Irgendwann, ich weiß nicht wieviel Zeit vergangen war, hörte ich ein Baby- oder zwei Babys? Das weiß ich nicht mehr- weinen. Anders als vorher angekündigt, wurde es Jott allerdings nicht auf die Brust gelegt. Stattdessen kam kurz darauf jemand zu mir, fragte ob ich meine Tochter gern sehen möchte, und holte SIE, als ich die Frage bejahte.

Als ich SIE dann in den Armen hielt, musste ich erstmal Rotz und Wasser heulen. Das war wie bei der Geburt von Herrn Schnuffke: Als ich dessen Kopf hinten dem Bauch auftauchen sah, musste ich auch erstmal heulen wie ein Schlosshund. So saß ich dann also schluchzend an Jotts Kopfende, hielt SIE, wunderte mich wo ER bliebe, und zeigte Jott unser neues kleines Mädchen. Später- wieviel? Es muss gleich darauf gewesen sein- kam nochmal jemand zu uns und erklärte, dass ER Anpassungsschwierigkeiten nach der Geburt hatte und erst einmal auf die Neonatologie gebracht werden müsse. Zu dem Zeitpunkt drang das gar nicht so recht zu mir durch, ich war viel zu sehr damit beschäftigt zu weinen und SIE festzuhalten.

Nach der OP wurden SIE und ich ins Überwachungszimmer gebracht. Danach weiß ich nicht so genau, was alles passierte, die Reihenfolge und Vollständigkeit kann ich nicht garantieren. Jott kam irgendwann zu uns, SIE wurde auf Jotts Brust gelegt, ich durfte auf die Neonatologie und IHN im Inkubator besuchen, IHN streicheln und mit IHM reden. Anschließend gings zurück zu Jott, SIE wurde gemessen und gewogen, ich fragte nach dem weiteren Ablauf. Vorgesehen war, dass SIE zu IHM in den Inkubator ziehen sollte, damit ER nicht allein sei, während Jott auf Station gebracht werden würde. In ein normales Zimmer, da die Kinder nicht bei ihr seien hätte sie keinen Anspruch mehr auf das Familienzimmer. Auf die Frage, wo ich dann bleiben soll, wurde etwas herumgedruckst und gesagt, dass ich eigentlich nach Hause müsste- Besucher dürften auf der Station nur bis 21 Uhr bleiben. Man wolle sich jedoch kümmern.

Ich blieb erstmal an Jotts und IHRER Seite, und ich glaub dann fuhren wir irgendwann doch auf Station in ein Familienzimmer- ich konnte bleiben, jemand hatte sich gekümmert.
Dann weiß ich wieder nicht genau, wie der Ablauf war. Ich glaube, Jott (im Bett) und ich besuchten zusammen am Abend noch IHN und SIE in der Neonatologie. Da wurde uns auch gesagt, dass SEINE Anpassungsschwierigkeiten sich eine Stunde nach der Geburt gegeben hätten, er hätte wohl einfach nur etwas Zeit gebraucht. Das sei aber gerade bei männlichen Babys relativ häufig der Fall.
Die Nacht zum Montag verbrachten Jott und ich zusammen im Familienzimmer.

Der Montag folgt später. Genauso wie Kommentar-Beantwortungen. Die Kinder müssen gestillt werden.

SIE: 51cm lang, 33,5cm Kopfumfang, 3075g schwer.
ER: 51cm lang, 35cm Kopfumfang, 3640g schwer.


Links SIE, rechts ER. Beide vollständig gesund.

9 Antworten auf „Zwillingsgeburt“

Große und schöne Kinder!
So ein ungeplanter Kaiserschnitt ist sicher erst mal ein Schock, aber solange es noch möglich ist, ist es, wenn es nicht vorangeht, für alle drei eine gute Entscheidung.
Hoffentlich erholt sich Jott davon schnell. Ich bin auf den weiteren Bericht gespannt, und darauf, wie der große Bruder auf die beiden reagiert.
Allles Gute für alle Fünfe!

Auch an dieser Stelle nochmal herzlichen Glückwunsch. Und danke für den ausführlichen Bericht und das Foto.
Schön, dass doch alles gut gegangen ist.
Hoffentlich erholt sich Jott gut von der Anstrengung.
Die Zwillinge haben wirklich tolle Maße. Meine Schwägerin ist auch mit Zwillingen schwanger. Ich dachte immer, Zwillinge wären kleiner und leichter. Ups

Nochmal herzlichen Glückwunsch und allergrößte Hochachtung für Jott! Was so ein Frauenkörper alles schafft! Alles Gute für die Eingewöhnungszeit!

Also wirklich! Unsere beiden Einlinge waren kaum grösser und schwerer. Und die sehen ja beide schon total propper aus. Alle erdenklich guten Wünsche an Jott (und an Dich an die drei Krümel latürnich auch)!

So wunderschöne proppere Kinder!!! Noch mal herzlichen Glückwunsch und ein Kompliment an Jott, die diese süße Last so lange getragen hat..
Alles Gute euch fünfen!

Oh, wunderbare Sonntagskinder! Herzlichen Glückwunsch zu den propperen gesunden Kindern. Was für ein Glück! (Meine Einlinge waren beide kleiner und leichter. Das Jott die Kinderchen solange getragen hat finde ich sensationell).
Gute Erholung euch allen!

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