Weil wir nette Eltern sind, ließen wir die Kinder schlafen und ersparten ihnen den Ungemach des Alltags. Reicht ja, wenn Jott und ich um 6 Uhr aufstehen müssen.
G war kurz nach 7 Uhr wach, die Jungs schliefen tatsächlich bis 8 Uhr.
Gs Zeh ist weiterhin blau und dick, am Arztbesuchsentschluss änderte sich daher nichts.
Aber: Die Unfallarzt-Praxis vor der Haustüre hat urlaubsbedingt geschlossen. Das stand natürlich nirgends im Internet, sondern auf einem Zettel an der Tür. Ungemach!
Es folgte ein ungefähr zweieinhalbstündiger Recherche- und Anrufmarathon mit und bei Unfallarztpraxen, die G hätten heute behandeln können. Am Ende stand fest: Keine Chance. Nächste Möglichkeit: Morgen früh zur Akutsprechstunde.
Es war total irre. Praxen, die geöffnet haben aber nicht ans Telefon gehen. Praxen mit Anrufbeantworter und der Info, dass auf Grund von Personalmangel keine telefonische Erreichbarkeit besteht. Praxen, bei denen über zwei Stunden hinweg dauerhaft besetzt war. Praxen, die auch keine Akutpatienten aufnehmen. Ich zweifelte nach den zweieinhalb Stunden an allem und jeden, bevor ich beschloss das Gs Zeh bis morgen warten muss.
… und da wundern sich Leute über überfüllte Rettungsstellen/Notaufnahmen.
Beim nächsten Unfall weiß ich Bescheid, dann fahren wir einfach ohne Rücksicht auf Verluste in eine der heute recherchierten Unfallarztpraxen.
Parallel waren alle Kinder zu Hause. G fußbedingt, M weil er nicht mehr in den Ferienhort geht und J, weil ich keinen Nerv hatte ihn anzutreiben und auch nicht allein losschicken wollte. Ich beneidete Jott im Büro sehr.
Vormittags kam ein Freund von M vorbei, die Jungs inklusive J verschwanden für anderthalb Stunden zum Fußballspielen. Ich nutzte die Zeit um weiterzuarbeiten und anschließend Mittag für die vier Kinder und mich zu kochen. Wir aßen gemeinsam, die Kinder unterhielten sich munter. G brachte mehrfach ihren (vielleicht gebrochenen) Zeh ins Gespräch ein, einerseits ist sie zwar angenervt, andererseits scheints aber ein willkommenes Alleinstellungsmerkmal zu sein.
Nach dem Mittag hätten die Kinder Medienzeit gehabt und still sein müssen. Leider spielten sie aber sehr lautstark miteinander. Ich beneidete Jott im Büro erneut sehr.
Leiser wurde es erst, als Ms Freund wieder ging und sich die Zwillinge vor ihre Endgeräte verkrümelten.
16 Uhr harter Cut weil der Ergotherapietermin anstand. Dem Impus widerstanden und nicht den Arbeitslaptop mitgenommen, sondern den Privatlaptop um die Essensplanung und Rewe-Bestellung für nächste Woche anzugehen. Das war schlau von mir, so blieb der Abend einigermaßen frei.
… gearbeitet habe ich den Tag übrigens auch. Von 6:30 Uhr bis kurz vor 8, von 10:30 bis 12:30 Uhr und von 13:30 bis 16 Uhr. Ich bin so froh, dass ich mir den Tag schon vor dem Urlaub komplett geblockt habe, im Gleitzeitmodell arbeite und mir meine Arbeit relativ frei legen kann wie ich möchte.
Nach der Ergo stand Me Time an– ich fuhr bei ab und an fallenden Regentropfen zum Spielplatz an der Wuhle und turnte mein Programm runter. Das tat sehr, sehr gut nach diesem kopflastigen Tag.
Fragmente fragt, welches Tier die Disziplin wäre. Auch nach längeren Überlegen gibts dazu keine Assoziation bei mir.
Disziplin hat für mich etwas mit dem immer wieder stattfindenden Überwinden von Widerständen zu tun. Das tut meinem Verständnis nach kein Tier von sich heraus. Ich habe eher die Kolben in einem Motor vor Augen, oder die Räder einer altertümlichen anfahrenden Lokomotive, die sich erst langsam und dann immer schneller drehen.


4 Antworten auf „Montag, 10.08.2026“
Seit ein paar Jahren darf man echt keinen Arzt mehr brauchen. Unserer macht keine Vorsorgeuntersuchungen mehr, weil ihm schlicht die Kapazitäten dafür fehlen und wenn man mittwochs krank wird und deshalb eine Krankschreibung benötigt, kann es sein, dass man erst in der nächsten Woche einen Termin bekäme. Rückwirkend gibt es keinen Schein, bis freitags sollte der Arbeitgeber was haben! Gehen Sie doch in die Notfallpraxis, heißt es dann. Dass es bei uns seit Jahren auch kaum noch Kinderärzte gibt – Pech gehabt…
Irgendwie funktioniert grad vieles überhaupt nicht mehr, nur das Abkassieren, das läuft.
Bei gebrochenen Zehen ( alles schon gehabt ) macht man meistens nichts. Man kann den Zeh eventuell etwas tapen, damit er ruhig gestellt ist und den Fuß hoch legen ( als ob die das machen würden ). Einen Puster von mir an G und gute Besserung!
Ach naja. Mit einem Tag Abstand würd ich das nicht so negativ sehen. Das war jetzt wieder mal ein Ausnahmefall. Im Normalfall kriegen wir schnell einen Arzt ran, die Auswahl ist ja in Berlin doch sehr groß (ein unbestreitbarer Vorteil der Großstadt).
Ja, da ist man in der Großstadt wirklich im Vorteil. Wir sind bei Notfällen zum Teil über alle Käffer gegondelt, macht bei MagenDarm nicht wirklich Spaß, vor allem nicht an einem Wochenende in den Ferien, da ist man ohne Auto aufgeschmissen. Mittlerweile gibt es den Wochenend – und Nachtdienst in dieser Form nicht mehr, das macht jetzt alles die Notfallpraxis im Krankenhaus, die muss ich nicht suchen und bis auf nachts und Sonntagvormittag kommt man sogar mit Öffis hin.
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